Als Mädchen, mit 10 Jahren oder 12, habe ich in Perdoa das Essen bereitet. Ich erinnere mich ein bisschen, mehr an die Mutter. An den Vater erinnere ich mich nicht.
Ich weiß nicht, ob er Haare hatte - mehr als du , weil du hast keine mehr, graue und weiße Haare.
Ich erinnere mich an nichts vom Vater.

Es ist angenehm, aber die Sonne brennt. Man muss unter den Baum gehen.
Dieses hier wird gleich gegessen, der Salat.

Ich denke an die Mutter. Ich erinnere mich an nichts von der Mutter. Nur an den Vater. Da erinnere ich mich an alles. Er ernährte die Familie.

Von Erhard weiß ich, dass er böse war wie der Teufel, und als er gestorben ist, war ich froh. Daran erinnere ich mich. Er hatte Ziegen. Sie haben ihn auf dem Sterbebild mitsamt seinen Ziegen abgebildet, wenn er gestorben ist.

Die Hildegard ist noch am Leben. Sie ist die jüngste, eine böse Frau, sie war immer böse, und der Vater hat gesagt: lasst dieses arme Mädchen, und dieses "arme Mädchen" ist zu einem Monster geworden.

Die Burger Anna hat mir eine schöne Küchenbank vererbt. Das hat sie ins Testament hinein geschrieben.


Mit dem Auto sind wir nach Wien gefahren, wo sie ihr Doktorat bekommen hat, auf der Universität. Das war schon schön.
Mit dem Günther, der hat einen schönen Anzug an gehabt.

Die Klara von Stilfser Brücke ist gestorben
Sie haben Kaffee getrunken, das weiß ich nicht, wie der Mann geheißen hat auch nicht.

Der Ernst war nicht dumm. Er hätte nicht durchfallen sollen.

Der Rudl hat die Kegelbahn gehabt, ja, das weiß ich noch. Ich vermute, der Vater war ein guter Kegler gewesen. Das weiß ich wohl: Wenn der Königskegel stehen bleibt und alle anderen umfallen, hat man gewonnen.

In der Öffentlichkeit kann ich noch viel tun - ich habe es immer getan.
Ihr setzt mich auf einen Thron und ich kann sagen, wie es ist.
Was ich in der Hand halten will? Das weiß ich nicht. Nichts.
Ich würde vielleicht ins Leben hinein reden. Das würde ich machen. Was das ist, weiß ich nicht.

Die Aranka, das ist mir gleich, wer das ist.
Ob wir alle ein bisschen böse sind, weiß ich nicht.

Ja, den Roman kenn ich schon, den Tarcisius auch, ja, ja, der Pius ist immer der gleiche, die Bernadette auch - ihr seid immer die gleichen.


Ein Netz Trauben für 4 Eier. Nach Gröden und Kurtina ist sie gegangen. Die Trauben hat die Mutter gekauft, das Verkaufen hab ich von klein auf gelernt.

Nach St. Martin sind es aber nicht 2 Stunden gewesen, das war ¾ Stunde. Aber bis du im ganzen Dorf gewesen bist, war es schon über 2 Stunden.
Dann habe ich zu Mittag für 4 Eier Mittagessen kaufen müssen, das ist gut gegangen, aber ich habe es mir nicht immer gekauft.
Oft habe ich die Eier auch verkauft.

Datteln habe ich mir viele gekauft, die hab ich gern gehabt.
Ja, das werde ich schon wissen, aber von jener Zeit weiß ich nichts mehr. Damals haben wir schon mehr bekommen, nicht wie heute.

Ich war in der Schule immer die Beste.
Der Direktor ist bis zu meinem Onkel gegangen, und der hat reichlich Geld gehabt, und der Direktor hat gesagt, die müsst ihr studieren lassen.

Wenn die Tochter Ärztin geworden ist, habe ich vor Freude nur geweint.

Eine halbe Stunde früher mussten wir ins Zimmer hinauf gehen. Ins Zimmer hinauf sind wir gegangen und ich habe gesagt, heute bleibe ich einmal.
Ich bin bei den ersten beiden schon dabei gewesen, um hinaus zu gehen, das Diplom haben wir vor den Leuten bekommen.
Dort hinaus bin ich nicht gegangen, ich bin in der ersten Reihe gesessen, und dann haben wir nachher miteinander, ich weiß nicht, wer dabei war, wir sind zusammengestanden, haben das Geld gesammelt und ein Mittagessen gekauft.

Gefeiert haben wir immer mit allen.


Er ist gekommen und hat mich gefragt: Kennst du mich noch? Ja, hab ich gesagt, dich kenne ich noch.

18 Jahre war ich und bis 26 bin ich im Kloster geblieben, aber dort hast du kein Geld bekommen, du musstest arbeiten wie ein Muli - das ist eine Kreuzung zwischen einem männlichen Esel und einem weiblichen Pferd, ein Muli ist ein Maultier, und im Kloster musste man arbeiten wie so ein Maultier.

Das war mir zuviel.

Nachher haben wir geheiratet. Was gesagt wurde, weiß ich nicht mehr.

Ich war Köchin im Kloster, hab immer eine große Küche gehabt und war immer der Chef., das bin ich immer gewesen.

Ich war eine gute Köchin, da ist man immer gehalten. Das kann man schon sagen, weil Menschen zu allen Zeiten gern essen, und wer gut kochen kann, der ist nie verloren.


Von Mussolini haben wir zu essen bekommen.
Ja, die Faschistenzeit - was heißt hier "die Faschistenzeit", in der Faschistenzeit sind wie zur Schule gegangen.
Ich bin zu den "Piccole Italiane" - kleine Italienerinnen - gegangen, da gab es viel Zeug. Gewand haben wir keines bekommen, aber gut zu essen.
Alle 14 Tage haben wir nach St. Vigil hinunter gehen müssen, dann haben wie etwas bekommen.
Da gab es viel Zeug, da bin ich schnell hingegangen. Es war schon ziemlich ein Weg von Pedroa nach St. Vigil, wir haben bekommen, wie viel wir tragen konnten.

Es gab immer5 solche Leute, die sich daheim aufgeregt haben. Das Schimpfen kommt immer von den Eltern, die Kinder von alleine würden nie schimpfen. "Die Faschisten sind eine Bande" haben sie gesagt.

Mir kommt vor, als sei das soeben geschehen.

Ja meinst du, ich stehe da, ein junges Mädchen, und weine wenn er mit einer anderen geht? Dann hätte ich viel zum weinen.

Einmal habe ich die Liebe gespürt, aber dann ist er mir gestorben.

Ich weiß nicht was sagen. Ich habe zu viele zum Sagen und weiß in Wirklichkeit nicht was sagen.


Das verstehe ich nicht. Was du das sagst, verstehe ich nicht.
Ich verstehe dich nicht, verstehe nicht, was du da sagst.

Schau, wie die Katze herumläuft.

Was sitzt der dort drüben? Er macht ein Theater? Was für ein Theater denn? Und wann denn?

Schau, die Katze geht

Was ist dort gewesen? Wer hat dort Ziehorgel gespielt?
Diese Motorräder sind laut.

Ja, was tust du jetzt da? Was tut er?
Ja, was müsst ihr denn tun mit dem Zeug hier? Ein Theater?
Aber nicht mit mir. Ich gehe doch nicht mit dir auf die Bühne!

Geld hast du nie eines verdient.
Wo hast du es also verdient? Ach so, du musst erst sehen.

Ja, das Kätzchen! Was willst du denn, Kätzchen, ha? Was ist denn mit dir? Was machst du denn hier?

Wem gehört den der Hund da? Was ist? Ach, er ist vom Nachbarn.

Jetzt weiß ich nicht mehr. Ja, das werde ich wohl noch verstehen.


Ladinisch - da verstehst du ja kein einziges Wort. Du willst alles verstehen und verstehst doch nichts.

Und du hörst auch zu, was du sagst, Auch die Katze hört zu.

Ja, bist du närrisch - ich werde mit der Katze nach Deutschland fahren? Da hast du dir wohl zu viel in den Kopf gesetzt.

Was ist da gewesen? Was haben wir bekommen? Ja, zu Essen haben wir gut bekommen

Hier bleibe ich nicht mehr lange, das sag ich dir.

Katze, du bleib nur liegen, du hast es fein.

Ich höre dich nicht.

Du hast schöne Augen, gell, Katze? Ja, du schaut mich gut an.

Ja wie lange bleiben wir da noch sitzen? Für was hab ich denn müssen da hinein gehen? Zum Sitzen?
Bleiben wir jetzt den ganzen Tag da sitzen?

Nein, für solche Sachen bin ich nicht mehr zu haben, hier mit euch reden und so, das könnt ihr euch aus dem Kopf schlagen. Dafür bin ich nicht mehr.
Was tun wir denn hier? Was hat es denn für einen Zweck, hier zu sitzen?

Da werden wir doch nicht Theater machen?

Ja was? Du redest immer und redest und verstehen kann man kein Wort.

Ich war eine gute Köchin und habe immer einen guten Platz gehabt.

Quel mazzolin di fiori…
Diese Lieder hat man bei euch gesungen in der Schule, in der Faschistenzeit.
Was heißt da Faschistenzeit, da sind wir zur Schule gegangen. Den Mussolini, den habe ich gerne, der gab den armen Leuten alles, viel zu essen haben wir bekommen. Beim Fest, das weiß ich nicht mehr, in St. Vigil. Nur wir Arme haben das Zeug bekommen. Da haben wir gutes Zeug bekommen. Ich bin schnell zu den piccoli italiani gegangen. Gewand bekamen wir keines, aber einen Stoff für eine Schürze und gutes Essen. Was wir tragen konnten, gute Sachen, gute Bohnen. Es hieß immer: diese Faschistenbande. Ich ging zu dieser Bande, wir haben gute Sachen zum Essen bekommen nicht den "scartato" den Abfall.
Den Hitler kenne ich nicht. Dein Onkel war ein bekanntes Nazischwein.
Heute kocht diese Frau, kennst du dieses Weib, für uns die Frau Aranka?

Ein Mann, der zu einer anderen geht, der ist nichts wert. Meinst du etwa, als junges Mädchen weine ich, wenn ein Mann zu einer anderen geht? Dieser Blödsinn.. Der Herr Bernardi. Da habe ich von der Liebe gespürt, er ist mir nur gestorben.

Jetzt gehen wir essen, nimmst du die Katze mit?

Io non so cosa dire, e per dire la verità, ho tante cose da dire. Non so.
Ich weiß es nicht.

Maria Elisabeth Miribung Moser

"Non ho niente da dire, perchè ho da dire troppo."
Maria Elisabeth Miribung Moser

Progetto teatrale "Erinnern und Vergessen"

con :

Maria Elisabeth Miribung Moser

Guido Moser
Daniel Oberegger
Roman Moser

Rappresentrazioni in Germania: 5 ottobre 2005, ore 17, Schlosstheater Moers, Tennishalle, città di Moers.
Altre rappresentazioni: 6, 11 e 12 ottobre, stesso luogho, stessa ora.
Per ulteriori informazioni: http://www.erinnern-vergessen.de (pagina in tedesco)


(Maria e Guido durante le prove nella sala parrocchiale di Prato Stelvio)

 

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Maria è ncque nel 1920 in val Gardena nelle dolomiti ed è mia madre. Anni fa lei voleva scrivere un libro sulla sua vita. Abbiamo provato qualche volta, ne uscivano diversi scritti, ma non diventava un libro. Mia madre aveva una vita molto movimentata. Fu la più grande di tanti bambini, e presto dovette entrare nel ruolo di madre, poichè sua madre è morta. A scuola, come lei racconta, fu la migliore, volle diventare dottoressa, ma i soldi non bastavano. Diventò cuoca, e invece di lei sua figlia divenne dottoressa. I suoi ricordi d'infanzia più belli furono verso Mussolini, perchè si riceveva del mangiare e si veniva apprezzati anche come bambino di famiglia povera. Così per lei Mussolini è, ancora oggi, uno dei uomini migliori.

Nella sua gioventù, fra i 18 e 26 anni, visse come suora in un convento, aspirò alla possibilità di andare nella missione, cose che non iuscì. In quell'epocha ci fu molto silenzio e poche importanti, segreti ed intime conoscenze con nazisti d'alto rango. Più tardi si sposò, ebbe 5 figli e combattò tutta la vita non solo per la famiglia ma anche per i bisogni dei, nei suoi occhi, più deboli e sfruttati.
Dopo la morte del suo marito, a 80 anni, lei ha vissuto ancora un grande amore.
Quando anch'esso è morto, lei si è rifugiata sempre di più dalla vita engaggiata, cominciava a dimenticare moltissime cose e per questo, ora, neccessita di una badante 24 ore su 24.
Una delle sue frasi: "oggi non ho più da dire niente, perchè una volta avrei avuto da dire troppo."

Nostro modo di lavorare: partiamo empre dalla persona, non da qualche diagnosi o idea, la relazione con la persona è la cosa più importante.

Gli esperti, sia psicologi, pedagogi, personale di istituzioni ecc. incontrano persone, che non sono autosufficienti nel sistema della nostra società con la benevolente domanda: "Cosa dev'essere fatto per questa persona? Di cosa necessita? Cosa la minaccia?" Raramente c'è anche la domanda: "Chi è questa persona? Quali messaggi ha? Che cosa ha da dire?"

Quando andiamo sul palco, la nostra aspirazione è: riusciamo, in un'incontro alla pari e senza espertismi o preconcetti a sorprenderci a vivenda ed a vivere l'esperienza? Non la domanda del dovere, ma: chi siamo? è la forza motrice. In questa forma teatrale, la confusione è principalmente più importante, per creare spazio per nuovi modi di vista, che sicurezze tradizionali o la razio. Ci incontriamo di più nell'enigma dell'essere umani che nella problematica della sintomatologia medica, che resta sempre solo una parte dell'essere. Questo teatro non trasporta informazioni e contenuti sulla tematica della demenza, ciò gli esperti lo sanno fare sicuramente meglio, ma è un gioco infinito, un fenomeno, che continua incessantemente.

Maria, in ultima istanza, decide forma e contenuto di ciò che avviene sul palcoscenico. In una relazione madre - figlio sono obbligato di imarare da lei, in scena, da volta in volta, sempre coe nuove. Forse, se non fossimo in scena, certe cose non sarebbero mai accadute.
Allo spettatore non viene presentata una storia, ma stati d'animo, che si evolvono, frammenti. Le tante piccole storie non si spiegano attraverso grandi dialoghi, ma vanno spesso in direzioni imprevisti. Gli spazi si riempiono nella vacuità. Nel diventare sempre di meno si concretizza questo spettacolo.

Titolo: "Guardo nel mio giardino."


Team di produzione:

Maria Elisabeth Miribung Moser, attrice principale
Guido Moser, regia ed attore
Daniel Oberegger, musica
Roman Moser, scena

Informazioni e coordinatore: Guido Moser

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Cultura (...) è ciò, che resta nell'uomo quando ha dimenticato tutto
Maxime von Eduard Herriot

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Eine gute Wurst.

Gehst du?

Was hat er denn da für ein Ding gemacht? Was hat er?

Die Katze isst auch.

Was hat sie gesagt? 28 Millionen? Ja ist sie verrückt? Du sollst das Haus kaufen? Ja bist du närrisch?
Was hat sie verkauft?

Ja, die Edith, was hat sie gesagt?
Die Carabinieri holen - ja was tust du dann?
Dass sie zu den Carabinieri geht - was tut sie dann? Ach, sie ist schon gestorben.

Was hat die Verena? Das weiß ich nicht.

Ach, der Herr Bernardi ist gestorben? Ach so.
Zuerst ist der Vater gestorben.

Was soll ich denn da hinein reden?

Ein Buch schreiben ist lang schon her und lang schon vergessen.
Was hast du da geschrieben?

Wer ist denn der, der dort drinnen herausschaut?
Nein, er braucht nicht zu spielen.

Jetzt kommt die Katze auch noch.

Wo sitzt denn du, dass do so niedrig bist?
Was machst denn du mit der Katze?

Hast du gesehen, wie er sitzt? Da sag ich nichts.

Ja, ich geh doch nicht den ganzen Nachmittag hin und her.

Die Sonne auf Ladinisch - was, auf Ladinisch die Sonne? Sorerl. Das weiß ich nicht.

Beim Mussolini ist es am Schönsten gewesen.

Ja, aber was sind denn da für Zuschauer? Auf Italienisch?
Und was tut die Aranka?

Wir haben gut gegessen, ja, Mussolini war ein sehr guter Mann, ja ja.
Ja, wir haben auch gesungen, aber ich weiß nicht mehr was.

Ja, hier steht man gut.
Zu dem Tisch? Ja, da kann ich mich ganz leicht halten.

Die Bällchen hinunterwerfen kann ich wohl. Jetzt sind sie fertig
Dann geh ich einmal sitzen.

Ja meinst du, ich lass mich hier von euch herumkaspern?
Was machst du jetzt dort hinten?

Jetzt will ich hinaus gehen, ich kann nicht immerzu da drinnen sitzen.
Ich steh nicht für euch auf und nieder. Was muss ich? Mich abstützen? Ist gut.

Ja jetzt steh ich auch nicht immer. Da stehe ich nicht mehr auf. Was meinst denn du? Ich bin doch nicht närrisch.

Meinst du, ich stehe die ganze Zeit hier herum?

Jetzt nimm das Zeug da von mir herunter. Ihr müsst jetzt mal das Ding da weg tun.

Nein, mich haben sie nie betrogen - ihr müsst einmal das Ding da weg tun.
Müssen wir stehen bleiben? Jetzt, wo gehen wir denn jetzt?

Nein, nein, den Stock brauche ich zum Gehen.
Jetzt müsst ihr mich nach Hause bringen.

Das müsst ihr mir geben, das ist mein Taschentuch. Ich habe mein Taschentuch dort nicht gesehen.
Du hast gesagt, ich soll sie da hinein werfen, da hab ich es vielleicht auch hinein geworfen.

Nein, da hab ich es nicht.

Bringt ihr mich jetzt hinaus? Jetzt gehe ich.
Die Katze nehme ich nicht mit.


Ja, ein bisschen kalt ist es.

Ich habe ihn ganz gern gehabt.
Bis St. Vigil haben wir müssen die Sachen tragen mit meinem Bruder.

Ich wüsste nicht, ob ich einmal gestritten habe mit jemandem.

Die Sonne wäre mir lieber als die Katze.
Die Musik geht gut so.

Ja, ich habe immer gekocht, im Kloster, ja ja. Beim Gelübde bin ich dann gegangen, weil ich sonst hätte bleiben müssen.

Da habe ich immer geweint vor Freude. Dann war ich in der ersten Reihe. Es war der schönste Augenblick.
Wenn sie alle hinaus gegangen sind und ich war dort.

Wenn sie hinauf gegangen ist, haben sie ihr gesagt, sie muss heute hinaus gehen, weil sie nicht wussten, dass sie schon Ärztin ist.

Sei einmal still jetzt, habe ich gesagt.
Da braucht man keine Angst zu haben

Ich hab ihn gern gehabt, den Mussolini, ganz gern. Das habe ich immer gesagt.
Ja warum gehst du denn da hinauf?


In Turin? Ach so.

Il piave innamorava nostri fanti il 24 maggio, l'esercito marciava, per Torino non son passati.

"Al Piave", heißt das, nicht "alla Piave".
Den Friedhof der Jugend bin ich anschauen gegangen - das ist einmal ein Friedhof!
Ganz von oben sind sie begraben gewesen bis ganz unten.
Das ist der größte Friedhof, den Italien hat, ist ein Riesenfriedhof gewesen.

Ich habe dieses Lied nie gehört.

Der Pil, ja, das wird sicher so sein.
Wo ist denn das gewesen? Davon wüsste ich nichts.

Den Pil hab ich gern gehabt. Er hat gesagt, er hat ein Mädchen umbringen müssen, das war 3 Jahre alt. Er hat selber ein 3jähriges Mädchen gehabt daheim.
Er ist dann gegangen, um den Pfarrer zu fragen. Er hat gesagt, ich musste es tun, weil sonst hätte man mich halt umgebracht, und der Priester hat gesagt: Schau, umbringen kannst du jeden alten Menschen, von der Kirche aus, weil man nie wissen kann, was der angestellt hat.
Aber ein Kind - das gibt es nicht, dass das etwas angestellt hat. Von der Kirche aus darf man das nicht umbringen. Alte schon aber die Kinder nicht.
Die ersten sind so alt gewesen wie seine Kinder. Er hat gesagt, sein Herz hat da nicht mehr mitgemacht.
In Dachau, hat er erklärt, haben sie jeden Tag wie verrückt in den Wald hinauflaufen müssen, und wer als letzter angekommen ist, den haben sie erschossen.
Er wusste alles von Dachau und hat mir gar alles erklärt, der Pil.

Ja das ist hundertprozentig, das hat er gewusst, dass er erschossen wurde, weil er war einer von den Ärgsten. Das hat er gewusst, er hat gesagt, du wirst mich nicht mehr sehen, wenn der Krieg aus ist.
Er hat mir auch erzählt, was er nicht hätte dürfen. Wir haben in der Nacht geredet, wo sie gewesen sind, die Deutschen, dort bin ich als Köchin angestellt gewesen.
Wir haben alles gewusst von den Deutschen, gar alles, aber ich habe nie ein Wort gesagt.

Der Hans war der größte Nazi, hier waren 3 Nazis, von der Traudl der Vater, und alle im Krieg.
Er hat sogar die eigenen Brüder angezeigt, das ist logisch.

Der Friedl ist nicht einer, der von Hans Angst hatte, das war schon der Hans, der vom Friedl Angst haben muss, weil er so viel angestellt hat´.

Der Senn war ein deutscher Missionar. Er hat auch tun müssen, was sie gewollt haben.
Im Krieg habe ich alle wichtigen Männer gekannt. Er war ja Priester.

Er hat einmal gesagt, er musste ein 3jähriges Kind umbringen, und das war genau 3 Jahre alt, und er hat gesagt, da hätte ich am liebsten mich selbst umbringen müssen.
Später hat er keine Kinder mehr umbringen müssen.

Ja ja, der Krieg.
Der Pil war der, den ich am liebsten hatte, und der Herr Bernardi auch. Der Friedl hat immer gearbeitet.

Den Bernardi hab ich lange gekannt.

In den alten Tagen rede ich noch mit dir von der Jugendzeit.


Mutter, kannst du dich noch erinnern? Du wolltest immer ein Buch schreiben:
"...geboren 1920 in einen bäuerlichen Dorf..."
io non so piu´niente.
Das weiß ich nicht, wer den kleinen Acker geerbt hat.

Der Herr Karnutsch hat Strom gestohlen.
Sie haben ihn eingesperrt, aus Bosheit, weil er war ein armer Teufel.
Ich habe nichts zu sagen, weil ich soviel zu sagen habe.

Schau, kleine Katze, das ist meine Mutter Maria Elisabeth Miribung, und ich bin ihr Sohn. Ich heiße Guido Moser. Heute nacht kam die kleine Katze zu mir ins Bett liegen. Sie wird jetzt öfter kommen. Die Katzen legen sich hauptsächlich zu den Füßen.

Die Katzen sind wie kleine Kinder. Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich mit kleinen Säckchen Trauben bei den Bauern gehandelt. Das habe ich von der Mutter gelernt. Ein kleines Säckchen Trauben kostete vier Eier. Mit vier Eiern habe ich mir das Mittagessen gekauft, das ist gut gegangen. Ein Ei habe ich getrunken, mit den anderen hab ich Datteln gekauft.
Als ich klein war, sagte ich zur Mutter, habe ich mit Hasen und Ziegen mein Geld verdient. Das Geld durftest du behalten und du hast schon gespart.
So könnte man sagen: du mit fünf Jahren Trauben und Eier, ich mit fünf Jahren Ziegen und Hasen.

In der Schule war ich die beste. Der Direktor wollte, dass ich studiere. Mein lediger Onkel hatte viel Geld. Er hat nicht geholfen, so musste ich Köchin werden. Ich wollte Ärztin werden. Als meine Tochter Ärztin wurde und in Wien den Doktortitel bekam, habe ich vor Freude geweint. Zu den großen Ärzten habe ich gesagt, als sie mich wegschicken wollten, heute bleibe ich. Ich habe mich in die erste Reihe gesetzt, als die Tochter den Doktortitel bekam. Nachher haben wir zusammengestanden und das Geld zusammen getan und gingen in den Mariatheresiakeller Mittagessen. Das war ein guter Keller, der Wein war gut. Gefeiert haben wir immer alle zusammen.

Du warst auch im Kloster.
Mit 18 bis 26 Jahren bin ich zu den Terzharschwestern gegangen. Bevor ich das ewige Gelübde abgelegt habe, bin ich gegangen. Ewig etwas zu versprechen ist mir zu viel.
Auch mit dem Heiraten - so ist das nicht, ewige Treue ist ja logisch.

Maria Elisabeth Miribung Moser