Als Mädchen, mit 10 Jahren oder 12, habe ich in Perdoa das Essen bereitet. Ich erinnere mich ein bisschen, mehr an die Mutter. An den Vater erinnere ich mich nicht.
Ich weiß nicht, ob er Haare hatte - mehr als du , weil du hast keine mehr, graue und weiße Haare.
Ich erinnere mich an nichts vom Vater.

Es ist angenehm, aber die Sonne brennt. Man muss unter den Baum gehen.
Dieses hier wird gleich gegessen, der Salat.

Ich denke an die Mutter. Ich erinnere mich an nichts von der Mutter. Nur an den Vater. Da erinnere ich mich an alles. Er ernährte die Familie.

Von Erhard weiß ich, dass er böse war wie der Teufel, und als er gestorben ist, war ich froh. Daran erinnere ich mich. Er hatte Ziegen. Sie haben ihn auf dem Sterbebild mitsamt seinen Ziegen abgebildet, wenn er gestorben ist.

Die Hildegard ist noch am Leben. Sie ist die jüngste, eine böse Frau, sie war immer böse, und der Vater hat gesagt: lasst dieses arme Mädchen, und dieses "arme Mädchen" ist zu einem Monster geworden.

Die Burger Anna hat mir eine schöne Küchenbank vererbt. Das hat sie ins Testament hinein geschrieben.


Mit dem Auto sind wir nach Wien gefahren, wo sie ihr Doktorat bekommen hat, auf der Universität. Das war schon schön.
Mit dem Günther, der hat einen schönen Anzug an gehabt.

Die Klara von Stilfser Brücke ist gestorben
Sie haben Kaffee getrunken, das weiß ich nicht, wie der Mann geheißen hat auch nicht.

Der Ernst war nicht dumm. Er hätte nicht durchfallen sollen.

Der Rudl hat die Kegelbahn gehabt, ja, das weiß ich noch. Ich vermute, der Vater war ein guter Kegler gewesen. Das weiß ich wohl: Wenn der Königskegel stehen bleibt und alle anderen umfallen, hat man gewonnen.

In der Öffentlichkeit kann ich noch viel tun - ich habe es immer getan.
Ihr setzt mich auf einen Thron und ich kann sagen, wie es ist.
Was ich in der Hand halten will? Das weiß ich nicht. Nichts.
Ich würde vielleicht ins Leben hinein reden. Das würde ich machen. Was das ist, weiß ich nicht.

Die Aranka, das ist mir gleich, wer das ist.
Ob wir alle ein bisschen böse sind, weiß ich nicht.

Ja, den Roman kenn ich schon, den Tarcisius auch, ja, ja, der Pius ist immer der gleiche, die Bernadette auch - ihr seid immer die gleichen.


Ein Netz Trauben für 4 Eier. Nach Gröden und Kurtina ist sie gegangen. Die Trauben hat die Mutter gekauft, das Verkaufen hab ich von klein auf gelernt.

Nach St. Martin sind es aber nicht 2 Stunden gewesen, das war ¾ Stunde. Aber bis du im ganzen Dorf gewesen bist, war es schon über 2 Stunden.
Dann habe ich zu Mittag für 4 Eier Mittagessen kaufen müssen, das ist gut gegangen, aber ich habe es mir nicht immer gekauft.
Oft habe ich die Eier auch verkauft.

Datteln habe ich mir viele gekauft, die hab ich gern gehabt.
Ja, das werde ich schon wissen, aber von jener Zeit weiß ich nichts mehr. Damals haben wir schon mehr bekommen, nicht wie heute.

Ich war in der Schule immer die Beste.
Der Direktor ist bis zu meinem Onkel gegangen, und der hat reichlich Geld gehabt, und der Direktor hat gesagt, die müsst ihr studieren lassen.

Wenn die Tochter Ärztin geworden ist, habe ich vor Freude nur geweint.

Eine halbe Stunde früher mussten wir ins Zimmer hinauf gehen. Ins Zimmer hinauf sind wir gegangen und ich habe gesagt, heute bleibe ich einmal.
Ich bin bei den ersten beiden schon dabei gewesen, um hinaus zu gehen, das Diplom haben wir vor den Leuten bekommen.
Dort hinaus bin ich nicht gegangen, ich bin in der ersten Reihe gesessen, und dann haben wir nachher miteinander, ich weiß nicht, wer dabei war, wir sind zusammengestanden, haben das Geld gesammelt und ein Mittagessen gekauft.

Gefeiert haben wir immer mit allen.


Er ist gekommen und hat mich gefragt: Kennst du mich noch? Ja, hab ich gesagt, dich kenne ich noch.

18 Jahre war ich und bis 26 bin ich im Kloster geblieben, aber dort hast du kein Geld bekommen, du musstest arbeiten wie ein Muli - das ist eine Kreuzung zwischen einem männlichen Esel und einem weiblichen Pferd, ein Muli ist ein Maultier, und im Kloster musste man arbeiten wie so ein Maultier.

Das war mir zuviel.

Nachher haben wir geheiratet. Was gesagt wurde, weiß ich nicht mehr.

Ich war Köchin im Kloster, hab immer eine große Küche gehabt und war immer der Chef., das bin ich immer gewesen.

Ich war eine gute Köchin, da ist man immer gehalten. Das kann man schon sagen, weil Menschen zu allen Zeiten gern essen, und wer gut kochen kann, der ist nie verloren.


Von Mussolini haben wir zu essen bekommen.
Ja, die Faschistenzeit - was heißt hier "die Faschistenzeit", in der Faschistenzeit sind wie zur Schule gegangen.
Ich bin zu den "Piccole Italiane" - kleine Italienerinnen - gegangen, da gab es viel Zeug. Gewand haben wir keines bekommen, aber gut zu essen.
Alle 14 Tage haben wir nach St. Vigil hinunter gehen müssen, dann haben wie etwas bekommen.
Da gab es viel Zeug, da bin ich schnell hingegangen. Es war schon ziemlich ein Weg von Pedroa nach St. Vigil, wir haben bekommen, wie viel wir tragen konnten.

Es gab immer5 solche Leute, die sich daheim aufgeregt haben. Das Schimpfen kommt immer von den Eltern, die Kinder von alleine würden nie schimpfen. "Die Faschisten sind eine Bande" haben sie gesagt.

Mir kommt vor, als sei das soeben geschehen.

Ja meinst du, ich stehe da, ein junges Mädchen, und weine wenn er mit einer anderen geht? Dann hätte ich viel zum weinen.

Einmal habe ich die Liebe gespürt, aber dann ist er mir gestorben.

Ich weiß nicht was sagen. Ich habe zu viele zum Sagen und weiß in Wirklichkeit nicht was sagen.


Das verstehe ich nicht. Was du das sagst, verstehe ich nicht.
Ich verstehe dich nicht, verstehe nicht, was du da sagst.

Schau, wie die Katze herumläuft.

Was sitzt der dort drüben? Er macht ein Theater? Was für ein Theater denn? Und wann denn?

Schau, die Katze geht

Was ist dort gewesen? Wer hat dort Ziehorgel gespielt?
Diese Motorräder sind laut.

Ja, was tust du jetzt da? Was tut er?
Ja, was müsst ihr denn tun mit dem Zeug hier? Ein Theater?
Aber nicht mit mir. Ich gehe doch nicht mit dir auf die Bühne!

Geld hast du nie eines verdient.
Wo hast du es also verdient? Ach so, du musst erst sehen.

Ja, das Kätzchen! Was willst du denn, Kätzchen, ha? Was ist denn mit dir? Was machst du denn hier?

Wem gehört den der Hund da? Was ist? Ach, er ist vom Nachbarn.

Jetzt weiß ich nicht mehr. Ja, das werde ich wohl noch verstehen.


Ladinisch - da verstehst du ja kein einziges Wort. Du willst alles verstehen und verstehst doch nichts.

Und du hörst auch zu, was du sagst, Auch die Katze hört zu.

Ja, bist du närrisch - ich werde mit der Katze nach Deutschland fahren? Da hast du dir wohl zu viel in den Kopf gesetzt.

Was ist da gewesen? Was haben wir bekommen? Ja, zu Essen haben wir gut bekommen

Hier bleibe ich nicht mehr lange, das sag ich dir.

Katze, du bleib nur liegen, du hast es fein.

Ich höre dich nicht.

Du hast schöne Augen, gell, Katze? Ja, du schaut mich gut an.

Ja wie lange bleiben wir da noch sitzen? Für was hab ich denn müssen da hinein gehen? Zum Sitzen?
Bleiben wir jetzt den ganzen Tag da sitzen?

Nein, für solche Sachen bin ich nicht mehr zu haben, hier mit euch reden und so, das könnt ihr euch aus dem Kopf schlagen. Dafür bin ich nicht mehr.
Was tun wir denn hier? Was hat es denn für einen Zweck, hier zu sitzen?

Da werden wir doch nicht Theater machen?

Ja was? Du redest immer und redest und verstehen kann man kein Wort.

Ich war eine gute Köchin und habe immer einen guten Platz gehabt.

Quel mazzolin di fiori…
Diese Lieder hat man bei euch gesungen in der Schule, in der Faschistenzeit.
Was heißt da Faschistenzeit, da sind wir zur Schule gegangen. Den Mussolini, den habe ich gerne, der gab den armen Leuten alles, viel zu essen haben wir bekommen. Beim Fest, das weiß ich nicht mehr, in St. Vigil. Nur wir Arme haben das Zeug bekommen. Da haben wir gutes Zeug bekommen. Ich bin schnell zu den piccoli italiani gegangen. Gewand bekamen wir keines, aber einen Stoff für eine Schürze und gutes Essen. Was wir tragen konnten, gute Sachen, gute Bohnen. Es hieß immer: diese Faschistenbande. Ich ging zu dieser Bande, wir haben gute Sachen zum Essen bekommen nicht den "scartato" den Abfall.
Den Hitler kenne ich nicht. Dein Onkel war ein bekanntes Nazischwein.
Heute kocht diese Frau, kennst du dieses Weib, für uns die Frau Aranka?

Ein Mann, der zu einer anderen geht, der ist nichts wert. Meinst du etwa, als junges Mädchen weine ich, wenn ein Mann zu einer anderen geht? Dieser Blödsinn.. Der Herr Bernardi. Da habe ich von der Liebe gespürt, er ist mir nur gestorben.

Jetzt gehen wir essen, nimmst du die Katze mit?

Io non so cosa dire, e per dire la verità, ho tante cose da dire. Non so.
Ich weiß es nicht.

Maria Elisabeth Miribung Moser

"Ich habe nichts zu sagen, weil ich so viel zu sagen habe."
Maria Elisabeth Miribung Moser

Theaterprojekt "Erinnern und Vergessen"

mit :

Maria Elisabeth Miribung Moser

Guido Moser
Daniel Oberegger
Roman Moser

Aufführungen in Deutschland: 5. Oktober 2005, 17 Uhr, Schlosstheater Moers, Tennishalle in Moers.
Weitere Aufführungen: 6., 11. + 12. Oktober und 3. + 4. November 2005, selber Ort, selbe Zeit.
Für weitere Infos siehe auch: http://www.erinnern-vergessen.de


(Maria und Guido bei den Proben im Pfarrsaal Prad)

Aufführungen in Südtirol für geladene Gäste (es sind geschlossene Veranstaltungen):

Samstag, den 17. September, um 16 Uhr, in Stilfser Brücke 23a.
Samstag, 24. September, 16 Uhr, in Prad, Pfarrsaal
Samstag, 1. Oktober, 16 Uhr, in Prad, Pfarrsaal
Eintritt frei.

Besonderen Dank für den Pfarrer von Prad für das freundliche Zur Verfügung Stellen des Pfarrsaals für Proben und Aufführungen.

 

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Maria ist 1920 im Gadertal in den Dolomiten geboren und ist meine Mutter. Vor Jahren wollte sie über ihr Leben ein Buch schreiben. Wir haben es ein paar Mal versucht, es gab viele verschiedene Aufzeichnungen, aber es wurde kein Buch daraus. Meine Mutter hatte ein sehr bewegtes Leben. Die älteste von vielen Kindern, relativ früh musste sie die Mutterrolle übernehmen, da ihre Mutter gestorben ist. Sie war in der Schule, nach ihren Erzählungen, die Beste, wollte Ärztin werden, aber das Geld reichte nicht, sie wurde Köchin, dafür wurde ihre Tochter Ärztin. Ihre schönsten Kindheitserinnerungen sind zu Mussolini, da bekam man Essen und wurde auch als Kind armer Leute geschätzt. Deshalb ist für sie Mussolini heute noch einer der besten Menschen.

In ihrer Jugend, zwischen 18 und 26 Jahren, lebte sie als Klosterfrau im Kloster, sah eine Möglichkeit, in die Mission zu gehen, was ihr nicht gelang. In dieser Zeit liegt viel Schweigen, einige ganz wichtige, heimliche und nahe Bekanntschaften mit ranghohen Nazis. Später heiratete sie, bekam 5 Kinder und kämpfte ein Leben lang nicht nur für die Familie sondern auch für die Anliegen der in ihren Augen Schwächeren und Ausgebeuteten.
Nach dem Tod ihres Mannes, mit 80 Jahren, lebte sie noch eine große Liebe.
Als diese auch starb, zog sie sich immer mehr aus dem engagierten Leben zurück, fing an, ungeheuer viel zu vergessen und braucht aus diesem Grund jetzt Pflege rund um die Uhr.
Einer ihrer Sätze: "heute habe ich nichts mehr zu sagen, weil ich früher zu viel zu sagen gehabt hätte."

Unsere Arbeitsweise: Ausgegangen wird immer von der Person, nicht von irgendeiner Diagnose oder Idee, die Beziehung ist das Wichtigste.

Experten, sei es Psychologen, Pädagogen, Betreuungspersonal usw. begegnen Menschen, die im gesellschaftlichen Bezugssystem nicht voll autonom und selbständig stehen, wohlwollend mit der Frage: Was soll für diese Person getan werden? Was braucht sie? Was gefährdet sie?" Selten ist die Frage: "Wer ist dieser Mensch? Welche Mitteilungen hat er zu machen? Was hat er zu sagen?"

Wenn wir auf die Bühne gehen, ist die Herausforderung: Schaffen wir es, in einer gleichwertigen Beziehung ohne Expertentum uns gegenseitig erleben und zu überraschen? Nicht die Soll- Frage, sondern: Wer sind wir? ist die treibende Kraft. In dieser Form von Theater ist zuerst einmal das Verwirren, um Raum für neue Sichtweisen zu schaffen, wichtiger, als die herkömmliche Absicherung und Vernunft. Wir begegnen uns mehr im Rätsel Mensch- sein als in der Problematik des Krankenbildes, das immer nur eine Teilaussage ist. Dieses Theater hat keinen Wissensvermittlungsauftrag zu irgend einer Demenz, das machen die Experten besser, sondern es ist ein Unendlichkeitsspiel, ein Phänomen, das immer weiter spielt. Das Spiel ist das Spiel des Lebens und entwickelt sich Augenblick für Augenblick.

Maria bestimmt letztlich Form und Inhalt von dem, was auf der Bühne geschieht. In einer Mutter- Sohn- Beziehung bin ich gezwungen, auf der Bühne von Mal zu Mal immer Neues von ihr dazuzulernen. Vielleicht, wenn wir nicht auf der Bühne wären, wären bestimmte Sachen überhaupt nie passiert.
Der Zuschauer bekommt keine Geschichte präsentiert, sondern Zustände, die sich entwickeln, Fragmente. Die viele kleinen Geschichten erklären sich nicht über große Dialoge sondern gehen meistens ungewohnte Wege. Die Räume füllen sich in der Leere. Im immer Weniger werden verdichtet sich dieser Theaterabend.

Titel: "Ich schaue in meinen Garten."


Produktionsteam:

Maria Elisabeth Miribung Moser, Hauptdarstellerin
Guido Moser, Regie und Spiel
Daniel Oberegger, Musik
Roman Moser, Bühne

Ansprechpartner und Koordinator: Guido Moser

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Kultur (...) ist das, was im Menschen verbleibt, wenn er alles vergessen hat
Maxime von Eduard Herriot

 

Bemerkungen zum Bühnenbild von Roman Moser:

 

Ich weiß nicht so recht, wie ich Ihrer Aufforderung nach Zeichnungen zum Bühnenbild - oder gar einer Zeichnung des Bühnenbildes gerecht werden kann.
Es ist meine Art, Objekte zu zeichnen, bevor sie sich machen - und es ist meine Art, Objekte nicht zu zeichnen, bevor sie sich machen. Es scheint mir, dass es auf das Selbe hinausläuft, die Dinge teilen sich - so oder so - den gewünschten Umständen entsprechend mit.
In diesem Stück liegt kein fertiger Text vor, in diesem Stück ist scheinbar alles immer in Bewegung, alle Dinge wachsen und verwelken schnell - dem genau möchte ich Rechnung tragen. Die Bilder der Bühne entwickeln sich zur Person mit Demenz und zur Person, die diese Person sozusagen bedient. Ich könnte meinen, dass hier die statische Kraft der Demenz mit den bewegten Impulsen aus der Erinnerung der Demenz aufeinandertreffen - daraus entstehen die Bilder zur Bühne, der so genannte Schauspieler ist der Vermittler zwischen diesen Bildern.
Diese Bilder werden immer klarer - sie sind dem Schauspieler absolut vertraut, zugänglich und präzise vorgegeben. Der dementen Person auf der Bühne sind sie egal - es sind die abstrakten Bruchstücke aus der Erinnerung zu ihrem Leben und vor allem aus der neugeformten "Restwelt" dieser Erinnerungen.
Diese Bilder formen sich immer neu, sie müssen immer aktuell sein, sie sind wohl immer der gelebte Augenblick dieses Zustandes einer Person.


Alles sollte einfach bleiben, so einfach als möglich. Der Zuschauer sollte erkennen und nicht erkennen. Vertrautes zeigt sich der gewohnten Vorstellung in ver-rückten Zusammenhängen sozusagen zusammenhangslos.
Ich sehe einen klaren, begrenzten, sehr simplen Raum auf 6 mal 6 Meter und ca. 4 Meter hoch. Dieser Raum ist zum umliegenden Raum transparent, d. h., er kann manches zulassen aus dem Umfeld und manches verdecken. Das Umfeld kann, entsprechend den vorhandenen Möglichkeiten, ganz bewusst installiert werden. Das kann erst vor Ort geschehen.
Der äußere Rahmen des Bühnenbildes erscheint wie das Baugerüst eines Requisitenschrankes der Person mit Demenz. Abgelegte Nostalgien, Emotionen, Langweiligkeiten des Lebens haben sich dort abgestellt.
In diesem Rahmen spiegelt sich das aufgeworfene, abgelegte, erstarrte Dasein eines bunten Lebens. Der Hauptdarsteller hat all das, was seine Welt erklärbar machen könnte, hinter sich gelassen. Unser Zugang ist ein "Rumoren" in diesen zerbrochenen Bausteinen.
Der Hauptdarsteller ist vorn, zentral, fast unbewegt, fast unscheinbar, immer im Zentrum. An ihm ist alles gewohnt: Kleidung, Bewegung, Requisit. Er steht dort, als hätte er auf der Bühne nichts verloren und wirkt wie vollgekrempelt mit den Psychologien eines kompromissvollen Überlebens.
Alles, außer der Hauptdarsteller und ein schwarzer Sockel, ist weiß - brüchig weiß, ohne jede Symbolkraft, es sucht keine Farbe und es hat keine Farbe abgelegt. Das Bild sollte frei sein von Effekten - keine Tricks, alles ist in unveränderlicher Klarheit. Es ist wie ein Bewegen in einer Welt, die uns aber in keinster Weise neugierig macht. Alles fließt mit den Launen einer permanent gestörten Ruhe.
Die Beleuchtung ist so, dass der Hauptdarsteller auf keinen Fall irritiert werden darf. Wie ganze Kübel voll Farbe soll sie sich in die Bühne werfen, aufschreiend, unkoordiniert. Sie provoziert den Schutz für den Hauptdarsteller.


Die Beleuchtung ist dem Bild nicht eingeordnet, nicht untergeordnet. Ein mechanisch installierter Narr drückt die Dimmer und Hebel. Es sind Aufschreie, dann wieder stille Unklarheit, alles geht seinen gewohnten, dementen Gang. Der Schauspieler kennt sich genau aus, der Hauptdarsteller ist wieder wer er ist - ein Mensch auf einer Bühne, weil auch die Bühne ein Teil des Lebens des Menschen ist, hier im Zugeständnis zum Publikum, dort im Zugeständnis zu den Gewohnheiten des Überlebens.

Roman Moser.

 

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Eine gute Wurst.

Gehst du?

Was hat er denn da für ein Ding gemacht? Was hat er?

Die Katze isst auch.

Was hat sie gesagt? 28 Millionen? Ja ist sie verrückt? Du sollst das Haus kaufen? Ja bist du närrisch?
Was hat sie verkauft?

Ja, die Edith, was hat sie gesagt?
Die Carabinieri holen - ja was tust du dann?
Dass sie zu den Carabinieri geht - was tut sie dann? Ach, sie ist schon gestorben.

Was hat die Verena? Das weiß ich nicht.

Ach, der Herr Bernardi ist gestorben? Ach so.
Zuerst ist der Vater gestorben.

Was soll ich denn da hinein reden?

Ein Buch schreiben ist lang schon her und lang schon vergessen.
Was hast du da geschrieben?

Wer ist denn der, der dort drinnen herausschaut?
Nein, er braucht nicht zu spielen.

Jetzt kommt die Katze auch noch.

Wo sitzt denn du, dass do so niedrig bist?
Was machst denn du mit der Katze?

Hast du gesehen, wie er sitzt? Da sag ich nichts.

Ja, ich geh doch nicht den ganzen Nachmittag hin und her.

Die Sonne auf Ladinisch - was, auf Ladinisch die Sonne? Sorerl. Das weiß ich nicht.

Beim Mussolini ist es am Schönsten gewesen.

Ja, aber was sind denn da für Zuschauer? Auf Italienisch?
Und was tut die Aranka?

Wir haben gut gegessen, ja, Mussolini war ein sehr guter Mann, ja ja.
Ja, wir haben auch gesungen, aber ich weiß nicht mehr was.

Ja, hier steht man gut.
Zu dem Tisch? Ja, da kann ich mich ganz leicht halten.

Die Bällchen hinunterwerfen kann ich wohl. Jetzt sind sie fertig
Dann geh ich einmal sitzen.

Ja meinst du, ich lass mich hier von euch herumkaspern?
Was machst du jetzt dort hinten?

Jetzt will ich hinaus gehen, ich kann nicht immerzu da drinnen sitzen.
Ich steh nicht für euch auf und nieder. Was muss ich? Mich abstützen? Ist gut.

Ja jetzt steh ich auch nicht immer. Da stehe ich nicht mehr auf. Was meinst denn du? Ich bin doch nicht närrisch.

Meinst du, ich stehe die ganze Zeit hier herum?

Jetzt nimm das Zeug da von mir herunter. Ihr müsst jetzt mal das Ding da weg tun.

Nein, mich haben sie nie betrogen - ihr müsst einmal das Ding da weg tun.
Müssen wir stehen bleiben? Jetzt, wo gehen wir denn jetzt?

Nein, nein, den Stock brauche ich zum Gehen.
Jetzt müsst ihr mich nach Hause bringen.

Das müsst ihr mir geben, das ist mein Taschentuch. Ich habe mein Taschentuch dort nicht gesehen.
Du hast gesagt, ich soll sie da hinein werfen, da hab ich es vielleicht auch hinein geworfen.

Nein, da hab ich es nicht.

Bringt ihr mich jetzt hinaus? Jetzt gehe ich.
Die Katze nehme ich nicht mit.


Ja, ein bisschen kalt ist es.

Ich habe ihn ganz gern gehabt.
Bis St. Vigil haben wir müssen die Sachen tragen mit meinem Bruder.

Ich wüsste nicht, ob ich einmal gestritten habe mit jemandem.

Die Sonne wäre mir lieber als die Katze.
Die Musik geht gut so.

Ja, ich habe immer gekocht, im Kloster, ja ja. Beim Gelübde bin ich dann gegangen, weil ich sonst hätte bleiben müssen.

Da habe ich immer geweint vor Freude. Dann war ich in der ersten Reihe. Es war der schönste Augenblick.
Wenn sie alle hinaus gegangen sind und ich war dort.

Wenn sie hinauf gegangen ist, haben sie ihr gesagt, sie muss heute hinaus gehen, weil sie nicht wussten, dass sie schon Ärztin ist.

Sei einmal still jetzt, habe ich gesagt.
Da braucht man keine Angst zu haben

Ich hab ihn gern gehabt, den Mussolini, ganz gern. Das habe ich immer gesagt.
Ja warum gehst du denn da hinauf?


In Turin? Ach so.

Il piave innamorava nostri fanti il 24 maggio, l'esercito marciava, per Torino non son passati.

"Al Piave", heißt das, nicht "alla Piave".
Den Friedhof der Jugend bin ich anschauen gegangen - das ist einmal ein Friedhof!
Ganz von oben sind sie begraben gewesen bis ganz unten.
Das ist der größte Friedhof, den Italien hat, ist ein Riesenfriedhof gewesen.

Ich habe dieses Lied nie gehört.

Der Pil, ja, das wird sicher so sein.
Wo ist denn das gewesen? Davon wüsste ich nichts.

Den Pil hab ich gern gehabt. Er hat gesagt, er hat ein Mädchen umbringen müssen, das war 3 Jahre alt. Er hat selber ein 3jähriges Mädchen gehabt daheim.
Er ist dann gegangen, um den Pfarrer zu fragen. Er hat gesagt, ich musste es tun, weil sonst hätte man mich halt umgebracht, und der Priester hat gesagt: Schau, umbringen kannst du jeden alten Menschen, von der Kirche aus, weil man nie wissen kann, was der angestellt hat.
Aber ein Kind - das gibt es nicht, dass das etwas angestellt hat. Von der Kirche aus darf man das nicht umbringen. Alte schon aber die Kinder nicht.
Die ersten sind so alt gewesen wie seine Kinder. Er hat gesagt, sein Herz hat da nicht mehr mitgemacht.
In Dachau, hat er erklärt, haben sie jeden Tag wie verrückt in den Wald hinauflaufen müssen, und wer als letzter angekommen ist, den haben sie erschossen.
Er wusste alles von Dachau und hat mir gar alles erklärt, der Pil.

Ja das ist hundertprozentig, das hat er gewusst, dass er erschossen wurde, weil er war einer von den Ärgsten. Das hat er gewusst, er hat gesagt, du wirst mich nicht mehr sehen, wenn der Krieg aus ist.
Er hat mir auch erzählt, was er nicht hätte dürfen. Wir haben in der Nacht geredet, wo sie gewesen sind, die Deutschen, dort bin ich als Köchin angestellt gewesen.
Wir haben alles gewusst von den Deutschen, gar alles, aber ich habe nie ein Wort gesagt.

Der Hans war der größte Nazi, hier waren 3 Nazis, von der Traudl der Vater, und alle im Krieg.
Er hat sogar die eigenen Brüder angezeigt, das ist logisch.

Der Friedl ist nicht einer, der von Hans Angst hatte, das war schon der Hans, der vom Friedl Angst haben muss, weil er so viel angestellt hat´.

Der Senn war ein deutscher Missionar. Er hat auch tun müssen, was sie gewollt haben.
Im Krieg habe ich alle wichtigen Männer gekannt. Er war ja Priester.

Er hat einmal gesagt, er musste ein 3jähriges Kind umbringen, und das war genau 3 Jahre alt, und er hat gesagt, da hätte ich am liebsten mich selbst umbringen müssen.
Später hat er keine Kinder mehr umbringen müssen.

Ja ja, der Krieg.
Der Pil war der, den ich am liebsten hatte, und der Herr Bernardi auch. Der Friedl hat immer gearbeitet.

Den Bernardi hab ich lange gekannt.

In den alten Tagen rede ich noch mit dir von der Jugendzeit.


Mutter, kannst du dich noch erinnern? Du wolltest immer ein Buch schreiben:
"...geboren 1920 in einen bäuerlichen Dorf..."
io non so piu´niente.
Das weiß ich nicht, wer den kleinen Acker geerbt hat.

Der Herr Karnutsch hat Strom gestohlen.
Sie haben ihn eingesperrt, aus Bosheit, weil er war ein armer Teufel.
Ich habe nichts zu sagen, weil ich soviel zu sagen habe.

Schau, kleine Katze, das ist meine Mutter Maria Elisabeth Miribung, und ich bin ihr Sohn. Ich heiße Guido Moser. Heute nacht kam die kleine Katze zu mir ins Bett liegen. Sie wird jetzt öfter kommen. Die Katzen legen sich hauptsächlich zu den Füßen.

Die Katzen sind wie kleine Kinder. Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich mit kleinen Säckchen Trauben bei den Bauern gehandelt. Das habe ich von der Mutter gelernt. Ein kleines Säckchen Trauben kostete vier Eier. Mit vier Eiern habe ich mir das Mittagessen gekauft, das ist gut gegangen. Ein Ei habe ich getrunken, mit den anderen hab ich Datteln gekauft.
Als ich klein war, sagte ich zur Mutter, habe ich mit Hasen und Ziegen mein Geld verdient. Das Geld durftest du behalten und du hast schon gespart.
So könnte man sagen: du mit fünf Jahren Trauben und Eier, ich mit fünf Jahren Ziegen und Hasen.

In der Schule war ich die beste. Der Direktor wollte, dass ich studiere. Mein lediger Onkel hatte viel Geld. Er hat nicht geholfen, so musste ich Köchin werden. Ich wollte Ärztin werden. Als meine Tochter Ärztin wurde und in Wien den Doktortitel bekam, habe ich vor Freude geweint. Zu den großen Ärzten habe ich gesagt, als sie mich wegschicken wollten, heute bleibe ich. Ich habe mich in die erste Reihe gesetzt, als die Tochter den Doktortitel bekam. Nachher haben wir zusammengestanden und das Geld zusammen getan und gingen in den Mariatheresiakeller Mittagessen. Das war ein guter Keller, der Wein war gut. Gefeiert haben wir immer alle zusammen.

Du warst auch im Kloster.
Mit 18 bis 26 Jahren bin ich zu den Terzharschwestern gegangen. Bevor ich das ewige Gelübde abgelegt habe, bin ich gegangen. Ewig etwas zu versprechen ist mir zu viel.
Auch mit dem Heiraten - so ist das nicht, ewige Treue ist ja logisch.

Maria Elisabeth Miribung Moser