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Aktuelles Buchprojekt 2006
Hangsicherung bei Regen
von Guido Moser und Daniel Oberegger
entstanden während eines radikalen Rückzuges
in der Klosterklause Stilfser Brücke 23a im Sommer 2006.
Die beiden Autoren Daniel Oberegger und Guido Moser haben
sich vom 26. 7. bis 5. 8. 2006 in einer Hütte zurückgezogen.
Während dieser Zeit wurde ein Hang im Nazionalpark Stilfser Joch
gesichert und das Rohmaterial zu diesem Buch entstand. Die beiden Autoren
lebten und arbeiteten zusammen, aber sprachen nicht über das Schreiben.
Die zwei unabhängigen Geschichten sind:
"Temporäres Klosterleben mit Cinzia" von Guido,
in einer bedingungslos subjektiven Sichtweise zu Afrika in Südtirol.
Es geht um Frauenhandel zwischen Bozen und der Elfenbeinküste. Eine
unmögliche Liebesgeschichte.
"Die Wut des Dragozeck von Prodrimir" von Daniel, ein
Science- Fiction- Text in Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit. Eine anatomisch
genau festgehaltene und gelebte Wut der Ohnmacht in einer unverständlichen
Welt. Der Autor tritt manchmal aus der Geschichte heraus, um persönliche
Kommentare zur Hangsicherung und zur Wut abzugeben.
Der Klosterreport von der Hangsicherung
bei Regen verbindet beide Geschichten miteinander. Sie wurde in einem
Tagesreport des Klosterlebens in Text und Bild dokumentiert und ist der
verbindende Teil zwischen den beiden Welten.
Leseprobe aus "Temporäres Klosterleben mit
Cinzia":
Keine fremden Fensterstöcke
Alles ist dunkel, nur ihre Augen funkeln.
"Wenn du willst, legen wir uns unters Auto und lieben uns",
sagt sie. Jetzt sehe auch ich die riesigen Reifen des Lastwagens, der
neben uns bei der Tankstelle steht, und für einen Augenblick stelle
ich mir tatsächlich vor, wie das wäre, mit ihr unter einem Fernlaster
zu liegen und sie zu lieben.
"Eine schöne Scheiße", denke ich kurz nachher, "unter
einem Lastwagen habe ich es noch nie gemacht." Jetzt spüre ich
ihren schönen, schwarzen Körper, den ich in der Dunkelheit nicht
sehen kann.
"Überall gibt es auch Unbekanntes", schießt es durch
meinen Kopf, "warum soll ich mich mit ihr unter das Lastauto legen,
um sie zu lieben?"
Warum zwinge ich mich, meine Terrasse so zu bauen, wie es der Nachbar
haben möchte, warum baue ich meine Terrasse nicht, wie ich sie brauche?
Die Mutter will auch nichts mehr von mir. Sie ist gestorben, dafür
will es jetzt der Nachbar. Er sagt, er beobachte ganz genau meine Bewegungen
und er möchte jetzt, dass ich so lebe wie er das will, nicht wie
es für mich stimmig ist.
Wenn die Mutter etwas von mir wollte, besonders in letzter Zeit, als sie
schon alt war, machte ich das immer gerne, und es war auch schön,
etwas für sie zu tun. Beim Nachbar ist das ganz anders.
"...wir könnten das Totenschiff am Hang, das auch ein Geisterschiff
sein könnte, oder, wenn man die Kunst weglässt, könnte
es einfach nur ein Hochplatz für bessere Aussichten sein...",
sagte Bruder Daniel, der mich so unerwartet mitten in der Nacht von hinten
mit seiner lauten Stimme anspricht, dass ich vor Schreck aufschreie. Ruhig
schaut er mich an, lächelt ein bisschen und es gruselt mich noch
mehr.
"Warum könnten wir das Geisterschiff mit seiner Luftbrücke
nicht einfach fotografieren und ins Internet setzen?"
Und er fragte weiter, ob es stimme, dass ich komische Sachen in der Nacht
im Haus erlebt habe oder noch erlebe. Obwohl ich nur kurz aufgestanden
bin, um aufs Klo zu gehen und deshalb auch nur in meiner frischen Unterhose
dastehe, gruselt es mich immer noch. Ohne mein Gruseln zu bemerken oder
von mir auf eine Antwort wartend, fährt er fort: "Du hast Glück,
dass du das alles mir erzählen kannst, dass du es nicht einem amerikanischen
Psychiater erzählt hast, sonst hätten sie dich zwangseingewiesen."
Ein bisschen komisch kam mir meine Begegnung mit Bruder Daniel schon vor,
mitten in der Nacht, während ich mit Cinziagedanken unterwegs aufs
Klo war.
Ich sagte immer noch nichts und sah plötzlich meine Schwägerin
Herta, die einfach, ohne beim Tor die Kurbelglocke zu drehen, zu mir gekommen
war und ungefragt sagte: "ein bisschen bist du schon nicht ganz richtig",
und sie zeigte zum Kopf. "Was soll ich mit meinen Fenstern tun? Ich
habe die Möglichkeit, Fenster ohne Fensterstöcke zu bekommen
und bin kein Tischler."
Kreuz und quer geht es durch meinen Kopf: "Ob sie noch lebt, die
schwarze Frau, der ich vor einigen Jahren bei der Tankstelle spät
in der Nacht begegnete, und mit der ich mich unter den Lastwagen legen
wollte, um sie zu lieben, nachdem ich sie bezahlt hatte? Sie sagte, dass
sie Cinzia heiße, und ich wusste genau, dass sie anders hieß,
denn Cinzia ist kein afrikanischer Name, sondern Cinzia heisst eine Frau
aus Bologna, die ich gut kenne.
"Ich weiß, die Welt ist gefährlich. Du hast mich gefragt,
ob ich Lust habe, mich mit dir in jener Nacht unter ein Auto zu legen,
um dich dort zu begehren." Solche und viele ähnliche Bilder
wandern durch meinen Kopf, wenn ich in der Nacht aufwache und nicht wieder
einschlafen kann, alle möglichen Gedanken kommen daher.
Ein Sputnik überm Hang
Immer, wenn das Telefon klingelte, zuckte sie ängstlich zusammen.
Einmal sagte sie: "Noch einmal lasse ich mich nicht schlagen."
Ich fragte sie, ob sie ein großes Handtuch für das Bad möchte.
Sie lachte leise und fragte, ob sie ihre Nacktheit verstecken müsse.
Ich sagte: "Du bist sehr schön, aber im Bad ist es kalt und
ein grosses Handtuch ist ein kleiner Schutz." Das verstand sie sofort
und nahm das Handtuch. Ich beobachtete sie und erinnerte mich an meine
Kinderzeit, wo ich immer wieder ein Buch las. Es war "Onkel Toms
Hütte." Da gingen die Menschen mit bunten Tüchern zum Fluss
und wuschen sich dort, Papageien konnte man sehen und kleine Waschbären,
welche in den Bäumen hingen, und die Frauen waren nie alleine, sondern
es standen immer viele nackt im Wasser, lachten und sangen.
Cinzia kam vom Bad zurück und fragte, ob ich jetzt mit ihr schlafen
möchte. Wir legten uns ins Bett, liebten uns und die Stunden vergingen.
Manchmal schliefen wir ein, meistens standen wir erst wieder auf, als
wir Hunger hatten. Das Telefon oder andere Störungen beachteten wir
nicht. Obwohl sie das wusste, zuckte sie immer, als das Telefon läutete.
Heute stand der Maurer, ein Pensionist, schon um halb sieben Uhr vor
dem Klostertor und drehte die Kurbel, viel früher als erwartet. Er
sagte: "Heute bin ich früher, ist es dir recht?"
Ich sagte: "Heute sind wir früher" und war froh, dass Bruder
Daniel auch da war und mithelfen konnte. Alleine konnte ich dem Rhythmus
des Maurers nicht standhalten. Ich ging zur Betonmaschine, Daniel zur
Schubkarre und los ging es mit Steinetragen und Betonmischungen machen,
Schuften bis zum Abend. Das Klosterprogramm hat keine Bedeutung mehr,
wenn der Maurer kommt. Der Maurer kann sich nicht lange nach unseren Klosterspielereien
richten. Er kommt, wenn er Zeit hat und dann wird ordentlich gearbeitet.
Immer dieser nie endende Druck! Mein Körper ist viel schwächer
geworden, der Rücken schmerzt, im Kopf ist das Stechen. Wenn ich
mit meinen Mitbruder darüber am Abend kurz sprechen möchte,
würde er mich nur mit grossen fragenden Augen anschauen, höchstens
"hm" sagen oder gar nichts. Deshalb schweige ich besser, entwickle
so meine eigenen kleinen Techniken, die für mich vorbeugend oder
sofort hilfreich sind, um den Alltag ein bisschen zu erleichtern. Statt
zu schreiben lege ich mich aufs Bett, mache Atemübungen und lenke
die Konzentration vom Kopf zum Bauch, um Erleichterung von den Kopfschmerzen
zu spüren.
Gedächtnistraining mache ich gezielt. Zum Beispiel, wenn ich den
Namen meiner Schwägerin vergesse, mache ich eine Pause, halte in
der Arbeit inne und schaue ziellos zum Hang, versuche mich in keine Richtung
festzulegen, mich an nichts zu erinnern, damit in meinem Kopf jede Art
von Druck verschwindet und sich auch in meinem Körper alles beruhigt,
auch die Schmerzen im Rücken und das Stechen im Kopf, und hoffe,
dass mir dann der Name meiner Schwägerin einfällt, von alleine
daherspaziert, und ich brauche ihn nur zu nehmen und zu sagen: "Meine
Schwägerin heißt Herta." Leider kann ich ihr bei ihrem
Fensterproblem nicht helfen. Ein Tischler wäre besser. Warum ist
Herta mit ihren Fenstern ausgerechnet zu mir gekommen?
Klara, meine geschieden Frau, sagte einmal zu mir: "Bevor du entschieden
hast, hättest du alles mit mir besprechen sollen. Ich hätte
dir geholfen, das zu tun, was du vielleicht nicht tun wolltest, denn was
du genau willst, kannst du nie genau wissen. Aber das, was du brauchst,
das weißt du fast immer und ich hätte dich darin unterstützt."
Wie lieb ist Klara, dachte ich, wie schade, dass wir geschieden sind.
Am Himmel sind zwei weiße lange Striche zu sehen, ein Sputnik hat
das Tal überquert.
Die Bodenbretter krachen
Ich träume von Cinzia, die eigentlich Wutla heissen müsste
und eine nahe Verwandte der dicken Singlehrerin Mudla sein könnte,
die selber singen konnte, denn an der Elfenbeinküste, in ihrer Heimat,
von wo sie als junges Mädchen nach Europa verschleppt wurde, um auf
der Strasse, als Sklavin, Geld für ihre schwarzen Brüder zu
beschaffen, heißen viele Mädchen Wutla, wie sie mir erzählte.
Deshalb glaube ich, dass auch sie Wutla heissen könnte. Sie hat mir
ihren richtigen Nahmen nie gesagt. Sie sprach wenig. Sie wisse nicht,
wo ihre Mutter sei. Die wurde von einer Bande verschleppt, als sie noch
sehr klein war. Zu ihrem Vater hat Cinzia schon lange keinen Kontakt mehr.
Ein entfernter Onkel sagte ihr, er sei in irgendeinem Stammeskrieg getötet
worden. Wie viele Brüder und Schwestern sie hat, weiss sie auch nicht.
Sie hat aber einen Bruder, den sie kennt. Den liebt sie sehr. Er kämpft
irgendwo in Eritrea.
Ich streiche über ihre zarten Finger, nehme sie in die Hand und wundere
mich, wie dunkel sie sind, und die Handinnenfläche ist so weich.
Wieder kann ich den Geruch von Schilfgras spüren, kühl und frisch.
Wenn die schwarzen Männer kommen, um sie abzuholen, wird nicht gesprochen.
Nach ein paar Schritten bleibt sie für einen Augenblick stehen, die
Männer halten auch an, sie dreht sich zu mir um und schaut mir einen
kurzen Moment lang in die Augen. Dann geht sie. In mir bebt alles. Ich
erinnere mich wieder, wie sie einmal zu mir gesagt hat: "Alles können
sie mit mir machen, nur noch einmal schlagen lasse ich mich nicht."
Wenn alles vorbei ist, nehme ich zitternd mein Handy und lösche ihre
Nummer. Ich schreie.
Der Schäfer ist gegangen, von Cinzia habe ich nie mehr etwas gehört,
und es ist wieder fünf Uhr Morgens. Ich kann wieder nicht schlafen,
stehe auf, gehe im Klo beim grossen Spiegel vorbei und wundere mich, dass
ich heute das Nachtkleid meiner Mutter anhabe, welches mir meine Schwester
mit Mutters Ring gegeben hat, nachdem alle anderen Kleider der toten Mutter
in Plastiksäcken bei der Caritas abgegeben worden waren. Der leichte
Stoff mit den bunten Blumen, denke ich, passt nicht so richtig zu meinem
unrasierten Gesicht. Auch die grossen Füsse und die behaarten, muskulösen
Beine passen nicht zu meinem zarten Kleidchen. Ich verlasse das Bad, trete
vor die Küche ins Freie und erschrecke, denn ich bemerke, wie hell
es schon geworden ist. Ich gehe zurück in die Küche, verriegle
alles und spüre Angst, überall Angst. "Werden die Männer
sie schlagen? Hätte ich sie schützen können? Was ist mit
ihrem Kind im Bauch - oder ist sie gar nicht schwanger? Wir hatten keine
Zeit mehr, darüber zu sprechen. Die schwarzen Brüder kamen viel
zu früh. Vielleicht hätte ich all meinen Besitz verkaufen sollen,
um sie frei zu kaufen. Eine irre Summe Geld wollten sie für sie haben
- nicht nur, weil sie jung war, sondern auch schön und weil sie einen
guten Charakter hatte. Das wurde mir gesagt, als ich sie einmal von ihrer
Sklaverei freikaufen wollte. Wenn ich zur Polizei gehe, werden ich und
sie beide umgebracht.
Leseprobe aus "Die Wut des Dragozeck von Prodrimir":
Allgemeine Erkenntnisse über die allgemeine Zukunft
Als Allererstes musst Du wissen, dass das grundlegende Basiswissen
zur Zukunft unverzichtbar ist, damit man sich in ihr besser darin zurechtfindet
oder zurechtfindet oder zumindest auskennt.
Also: In der Zukunft ist alles größer und noch größer
und übertriebener und noch übertriebener als heute: Die Häuser
sind höher, die Winter kälter, die Sommer heißer, der
Lärm lauter und noch lauter, die Stille leiser als heute. Die Reichen
sind noch viel viel reicher, die Armen ärmer, mausearm, die Kranken
kränker, tod-todkrank und die Gesunden tod-todgesund, gesünder
als heute. Alte Menschen sind auch viel älter und noch älter,
mit 120 Jahren geht man in Pension. Auch die Jungen sind jünger:
Mit 7 Jahren ist man volljährig. Was heute schnell geht, geht in
der Zukunft noch viel schneller, blitz-ritze-packe-zackeschnell und was
heute langsam geht, kommt in der Zukunft gar nicht mehr voran. Autos,
die im Stau stehen, werden in der Zukunft schon an Ort und Stelle fabriziert.
Dinge, die heute häufig oder oft oder häufig vorkommen, wie
beispielsweise Handys, kommen in der Zukunft noch viel noch häufiger
und noch öfter vor - jeder Mensch besitzt Hunderte davon, Tausende,
und sie klingeln alle andauernd, was wiederum den Lärm, den lauten,
lauten, viel lauteren Lärmlautlärm krachbumsdröhn, noch
verstärkt. Dinge, die heute selten sind oder auch selten, gibt es
in der Zukunft gibt's gar nicht mehr, überhaupt gar nicht. Die klugen
Menschen sind heute selten, in der Zukunft ausgestorben mauseratzemausetot,
und die Beschränkten sind noch viel beschränkter als heute oder
heute.
Spezifische Erkenntnisse über die allgemeine Zukunft
Mich interessieren die Meinungen nicht, nur die Wahrheiten. Was ich sage,
sind Wahrheiten, keine Meinungen. Dass der Hang gesichert werden muss,
ist eine Wahrheit.
Bevor und ja noch bevor ich also die Geschichte vom halben Otto auf seiner
kurzen und kurzen Wanderschaft zum Besten gebe, will ich noch etwas über
die Zukunft oder die Zukunft oder die Zukunft sagen. - Es gibt heute und
auch heute schon viele Geräte, demnach gibt es in der Zukunft, weil
dort immer alles so gar so gar so übertrieben ist, natürlich
noch viel mehr viele Geräte. Und schon heute funktionieren die meisten
und viele Geräte nicht immer gut, woraus logisch folgt, dass die
Geräte in der Zukunft noch viel, viel schlechter funktionieren oder
schlecht funktionieren.
Um das zu kompensieren und zu kompensieren, sitzen, stehen oder liegen
in den meisten Geräten der Zukunft, die ja sowieso viel größer
sind als die Geräte der Gegenwart, Menschen, die die Arbeit tun,
den der defekte Apparat nicht bewältigt. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
ist dies ja auch ganz vernünftig und ganz vernünftig. Im großformatigen
Fernseher der Zukunft arbeiten ganze Schauspieltruppen, in den Computern
der Zukunft rechnen Professoren mit Taschenrechnern oder Rechenschiebern,
in den Kranen der Zukunft rackern sich kräftige Muskelmänner
ab, im Staubsauger der Zukunft liegt kopfüber ein Mensch, der den
Staub mit dem Mund aufsaugt, in der Waschmaschine der Zukunft drehen Waschweiber
die Trommel, schrubben, putzen, nähen, wo die Kleider gerissen sind,
die Löcher, und abgerissene Knöpfe an, trocknen, bügeln
und legen die Wäsche zusammen. Der Mensch der Zukunft sagt dann zufrieden,
dass seine Waschmaschine erstaunliches leistet im Vergleich zu den Waschmaschinen
in der Vergangenheit, während die Staubsauger keine besonders überzeugende
Saugkraft mehr besitzen, auch wenn sie so schwer sind, dass man sie kaum
herum zu schieben vermag.
All das sind Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die in der Zukunft das
mangelnde Funktionieren der Geräte kompensieren und kompensieren
oder kompensieren.
So und so und auf diese und ähnliche oder ähnliche Weise verbergen
und beinhalten oder verbergen in der Zukunft, nicht nur im Bereich der
Geräte und Maschinen, viele neue Systeme ältere Systeme, und
diese sind oft älter als die jetzige Gegenwart im Vergleich zur Zukunft
alt ist. Ein anderer solcher Bereich in der Zukunft sind die Gebäude
der Zukunft und die Gebäude der Zukunft. Diese sind natürlich
höher, kühner, bunter, größer als die Gebäude
von heute und heute. Aber weil sie mit den Geräten der Zukunft aufgestellt
wurden, sind sie zugleich auch baufälliger, weniger stabil und oft
nicht einmal oder oft nicht einmal wetterfest. Besitzer oder Bewohner
oder Besitzer solcher Gebäude in der Zukunft sind oft gezwungen,
innerhalb ihres großen, modernen Hauses ein altes, weniger modernes
Haus zu bewohnen, weil dieses noch mit den Geräten der Vergangenheit
aufgestellt oder aufgestellt worden ist. Aus diesem Grund werden in der
Zukunft die neuen Häuser auch meistens um die alten Häuser der
Vergangenheit herumgebaut, im Falle von besonders modernen Bauwerken der
Zukunft werden sie gleich um ganze alte Dörfer oder Stadtteile der
Vergangenheit herum gebaut und gebaut und gebaut, mit den Geräten
der Zukunft.
Diese alten Häuser, Dörfer oder Stadtteile samt Kirchen, Friedhöfen
und Gärten aus der Vergangenheit verlieren durch das Herumbauen eines
moderneren Hauses mit den modernen Geräten der Zukunft natürlich
nichts von ihrer altersschwachen Baufälligkeit, und so bewohnen die
Menschen der Zukunft oft uralte, moosbewachsene Ruinen innerhalb von halbfertigen
Rohbauten innerhalb von den modernen, großen, bunten, kühnen
Gebäuden der Zukunft, doch all das durchdringt die allgegenwärtige
fortgeschrittene Technik der Zukunft, die natürlich auch viel allgegenwärtiger
und voller bunter Lämpchen und fortgeschrittener ist als die gegenwärtige,
um alle Schwierigkeiten der Zukunft, die wiederum natürlich viel
mehr und größere sind als die Schwierigkeiten der Gegenwart,
zu kompensieren und zu kompensieren und zu kompensieren und zu kompensieren.
Es ist ja nicht leicht und nicht leicht, den ganzen Tag in einem Staubsauger
zu liegen und mit dem Mund so stark zu saugen, wie man nur kann. Nur genveränderte
Menschen können das. Es ist sehr schwer, einen Kranarm mit Muskelkraft
zu bewegen. Auch das kann nur der genveränderte Mensch oder der genveränderte
Mensch.
Die Geschichte vom halben Otto
Der halbe Otto wankt über den unebenen Boden, eine Spur von Nährflüssigkeit
hinter sich zurücklassend. Er bewegt sich fort, ohne die Knie oder
Ellenbogen abzubiegen, da sie noch nicht fertig sind. Kein Lämpchen
flackert. Drei Lämpchen gehen aus, zwei an. Den Kopf lässt Otto
baumeln, weil dort die Muskulatur noch fehlt. Die wenigen Haare, die darauf
wachsen, fallen ihm in die Augen und trüben die Sicht. Schon bald
hat ein Schwarm von Schattenzischern die Nährflüssigkeit entdeckt.
Schwarz und zischend ziehen sie hinter Otto her, seine Nährflüssigkeitsspur
restlos tilgend.
Bald hätten ihn die Schattenzischer eingeholt und sich mit ihren
winzigen, aber effizienten Säurezähnchen daran gemacht, den
vor kurzem erst entstandenen Otto gleich wieder aufzulösen, wenn
dieser nicht in eine Bodenspalte gefallen wäre.
Das flackernde Lämpchen blinkt. Der Boden, auf dem Otto ging, wurde
einst als Schutz gegen die damals noch stark radioaktiven Regenschauer
aus Stahlbeton errichtet, aber seit die Temperaturen tagsüber so
heftig ansteigen, wie sie nachts fallen, hat dies bald auch in den modernsten
Stahlbeton breite Spalten gerissen.
Hätte man beim Bau des Küchendachs die starken Temperaturschwankungen
berücksichtigt, würden jetzt keine Wasserflecke die Betondecke
bedrohen und ich könnte meine Beeren gefahrlos in der ordentlichen
Küche essen.
Die gesamte Konstruktion stürzt nur deshalb nicht ein, weil sie
aus sechseckigen, gewölbten Teilen besteht, die an ihren Berührungspunkten
meistens noch auf starken Betonsäulen aufliegen. Nur einige Teile
sind abgesunken und die entsprechenden Säulen ragen in den Himmel,
ohne noch tragende Funktionen zu erfüllen. Darauf wachsen nachts,
wie wir schon wissen, die Pilze.
Der halbe Otto schlägt nach eher kurzem Fall auf einem sehr hohen,
schrägen Kirchturmdach auf, das krachend einstürzt, wobei er
sich einen Arm abreißt - die Bindegewebe und Sehnen waren in diesem
Arm noch nicht ausgebildet, und Otto bemerkt den Verlust erst später,
denn diese ganze Hälfte seines Körpers ist noch nicht ausreichend
mit Nervenbahnen durchzogen. Ein grünes Lämpchen erlischt ganz
kurz. Den zweiten, weniger starken Aufprall auf einer weicheren, weil
moosbedeckten Steinterrasse kann Otto hingegen gut spüren, denn er
holt sich dabei etliche Prellungen, Verstauchungen und einen Rippenbruch
in der anderen, besser innervierten Hälfte seines Körpers. Neben
dem flackernden Lämpchen gehen zwei weitere an.
Otto bemerkt den Verlust seines Arms erst, als er sich mühsam aufrappelt,
aber seine Kniegelenke geben gleich nach und er sinkt wieder in sich zusammen.
Doch er bleibt nicht lange so liegen. Die Hunde, Wölfe oder Hyänen
- Otto kennt den Unterschied nicht, gehen äußerst professionell
vor. Ihr Biss bricht Otto das Genick so schnell, dass er es auch dann
nicht gespürt hätte, wenn er schon vollständig innerviert
gewesen wäre.
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