Japanische Manager

Auf dem großen, lauten Flugplatz ist heute viel los.

Rrrrrr! Knack...
Pschhht! Pschhht! Plaff! Pschhht! Plaff! Ssst...t...t...

Eine ölige Ansagerstimme sagt: "Meine sehr verehrten Damen und Herren, hier und jetzt beginnt die Geschichte von den vier japanischen Managern. Bitte schnallen Sie sich an und stellen Sie das Rauchen ein, danke."

Vier japanische Manager stehen atemlos mitten auf dem Flugplatz und schauen verdutzt der soben gestarteten Maschine nach. Glotz, glotz.
Sogleich rufen sie mit ihren Handys die Direktion der Fluggesellschaft an, doch dort versteht niemand Japanisch, und auch das japanische Englisch der Manager hilft ihnen nicht weiter, weil es darum geht, Beschwerden entgegenzunehmen.

Der graue Asphalt des Flugplatzes wird noch um eine Spur grauer.

Son Fukïjoko Takezukito schaut zu Son Yokifuthi Tamishika hinüber und lächelt, wie das nur japanische Manager imstande sind: "Hihihi...".

Der Flug aus Novosibirsk kommt mit einer Verspätung von sechs Stunden in 18 Minuten an.
Wir bitten die Reisenden nach São Paulo um Geduld.
Der Flug nach Bangkok startet mit einer Verfrühung von 59 Minuten, weil der Pilot die Verfrühung von einer Stunde für unzulänglich hält.

Eine ganze Weile lang geschieht nichts, und die vier schwarz gekleideten japanischen Manager stehen mit ihren schwarzen Aktentaschen auf dem weiten und grauen Flugplatz herum.

Iiiiiaaaaaoooooaaaaiiiiiiiiiih! Der häßliche Klang einer Sirene schwebt als Schallwelle und Signal durch die Luft.

Yokifuthi Tamishika schaut zu Son Yokabïshi Giratamitso hinüber, selber lächelnd, und Giratamitso lächelt Son Fukijama Zukitoketa zu.

YOKIFUTHI TAMISHIKA: "Ich habe seit 24 Stunden nicht mehr geschlafen."

Der Anschlußflug nach Montreal in Kanada hat eine leichte Verspätung von einigen Stunden.

Plötzlich deutet Fukijama zum Flughafen hinüber, wo jemand direkt auf sie zukommt, und er sagt auf japanisch: "Da kommt jemand... O nein! Es ist der Exportabteilungsleiter der Firma Krug. Ich durfte diesen Flug nicht versäumen. Schon seit meinem ganzen Aufenthalt in Europa ist er mir auf den Fersen! Ich arbeite seit 11 Wochen ohne Unterbrechung durch wie ein Sklave - und nun das."

YOKABÏSHI GIRATAMITSO: "Ich bin seit 5 Tagen nicht einmal dazugekommen, etwas zu essen oder auf's Klo zu gehen."

Fukïjoko Takezukito lächelt Yokabïshi Giratamitso zu, wie das eben nur japanische Manager können, und Yokifuthi Tamishika verbeugt sich, auch höflich lächelnd, vor Fukijama Zukitoketa.
Giratamitso aber ruft plötzlich auf japanisch aus: "O nein! Dort! Das ist das Auto der Finanz, das da auf uns zufährt. Ich habe die japanischen Plexiglasdeckel für die Firma Krügli nicht versteuert. Ich durfte diesen Flug nicht versäumen - gestern haben sie mich um ein Haar geschnappt - und jetzt haben sie mich wieder eingeholt. Was soll ich nur machen?"
Plötzlich erschrickt auch Yokifuthi Tamishika: "O Schreck! Dort drüben kommt schon die Polizei mit Blaulicht angefahren... Um die Kunkurrenz auszuschalten habe ich eine deutsche Chipfirma in Brand gestekt - meine Firma in Japan verkauft seither der Julius Krug - Uhrenfirma die Computerchips. Ich lebe seit 26 Jahren ausschließlich für meine Firma. Ich durfte diesen Flug nicht versäumen - doch jetzt ist alles aus."

Der Flug aus Helsinki kommt mit einer Verspätung von 47 Minuten an.

Auch Fukïjoko Takezukito erschrickt: "Und dort! Aus der vierten Richtung kommt Olga auf uns zu. Dieses furchtbare Weib hab' ich hier in Europa kennengelernt, über eine Kontaktanzeige. Ich wollte ihr ihr Geld abknöpfen, dann nach einigen flotten Ficks wieder nach Japan fliehen, doch stattdessen hat sie mir mein Geld abgeknöpft, und nun kann ich nicht einmal mehr ohne das Geld entkommen, denn das Flugzeug ist schon gestartet."
Entsetzt rufen die vier Manager gemeinsam aus: "Wir sind umzingelt!", doch das hilft ihnen auch nicht weiter, denn die Polizei, Olga, die Finanzer und der Exportabteilungsleiter der Firma Krug kommen immer näher.

Im Hintergrund kurvt ein verirrter Schulbus umher.

Da wirft sich Yokabïshi Giratamitso vor Yokifuthi Tamishika auf die Knie und ruft: "Rette mich von den Finanzern! Deine Aktentasche ist voller Dollars, die du von der Julius Krügel Uhrenfabrik bekommen hast für die Computerchips deiner Firma in Japan."
"Was kannst du mir dafür bieten?"
"Ich habe eine wunderschöne Tochter mit Namen Minni Giratamitso, und die sollst du heiraten. Meine Firma in Japan verkauft der Julius Krügli - Firma die Uhrendeckel aus Plexiglas - heiratest du meine wunderschöne Tochter, so bauen wir, nachdem du die Finanzer, welche immer näher und näher kommen und schon fast da sind, bestochen haben wirst, ein Wirtschaftsimperium auf."
Tamishika nickt und ruft: "Hai! Also gut!"
Auch Fukïjoko Takezukito wirft sich vor Fukijama auf die Knie und fleht: "O Son Fukijama Zukitoketa, rette mich vor dieser fürchterlichen Olga! Ich bringe Krug- Rohuhren nach Japan, kaufe dort von Giratamitso besonders günstig die Plexiglasdeckel, versehe die Uhren mit Armbändern, die ich herstelle, und den Plexiglasdeckeln, die ich der Julius Krügel- Firma in Österreich verkaufe. Ich habe gehört, du kannst Karate! Hau Olga über den Haufen und rette mich so vor diesem Ungetüm!"
"Was kannst du mir dafür bieten?"
"Ich habe eine ganz junge und zierliche Tochter mit Namen Kiki Takezukito und die sollst du heiraten. Du verkaufst, wie ich weiß, österreichische Krügel- Uhren in Japan. Ich könnte sie dir direkt und daher billiger geben. Heiratest du meine zierliche Tochter, so bauen wir, nachdem du Olga mit deinem Karate außer Gefecht gesetzt haben wirst, welche aber immer näher und näher kommt und fast schon hier ist, ein Wirtschaftsimperium auf."
Fukijama nickt und ruft: "Hai! Also gut!", doch sogleich wirft er sich vor Giratamitso auf die Knie: "O tapferer Son Yokabïshi Giratamitso! Rette mich vor dem Exportabteilungsleiter der Firma Krug, von dem ich die Uhren, die ich in Japan verkaufe, beziehe! Er wollte meine Tochter Tsinding Zukitoketa heiraten, ich aber habe in Wirklichkeit gar keine Tochter - ich bin ja nicht einmal verheiratet. Meine Tochter Tsinding, die der Exportabteilungsleiter der Firma Krug geheiratet hat, ist nämlich der neueste von Yamaha hergestellte Sex- und Haushaltsroboter, Modell "Diva". Der Exportabteilungsleiter der Firma Krug hat bis vor einer Woche nichts bemerkt und war mit mir und meiner vermeintlichen Tochter sehr zufrieden, als plötzlich ihre Batterien leer waren und er den ganzen Schwindel bemerkte. Gleich ist er hier und ich weiß keinen Rat."
"Ich habe zwar eine zweite Tochter mit Namen Origami Yokifutshi, und diese könnte ich dem Exportabteilungsleiter der Firma Krug versprechen..."

Ssssssssssssschhhh - Katablong! Das Flugzeug nach Kuba ist soeben abgestürzt. Wir bitten um Verständnis.

Inzwischen sind der Exportabteilungsleiter der Firma Krug, Olga, die Polizei und die Finanzer bei den vier japanischen Managern angelangt. Zukitoketa, Tamishika und Takezukito rufen verzweifelt: "Zu spät!"

Die internationale Verzweilung bei der Gepäcksaufgabe hat einen Höhepunkt erreicht. Die Klagerufe der ihre Gepäcksstücke Vermissenden dringen, ist Wind und Wetter günstig, vom Flughafengebäude bis hier mitten auf den Flugplatz heraus.
Wir bitten um Verständnis.

Takezukito springt in die Höhe und schreit: "Olga!"
Tamishika duckt sich und wimmert: "Die Polizei!"

Der Kioskbesitzer verkauft einem Flugreisenden ein Exemplar einer Zeitschrift.

Giratamitso versteckt sich hinter Zukitoketa und ruft: "Die Finanzer!"

Das Grau des Asphalts des Flugplatzes wird um eine Spur weniger kräftig: Brzzzzl! Brrzz!

Fukijama Zukitoketa zittert und flüstert entsetzt: "Der Exportabteilungsleiter der Firma Krug!"

Der Flug aus Novosibirsk bekommt zu seiner Verspätung von sechs Stunden in 18 Minuten eine weitere Verspätung hinzu.

"Wir sind verloren", jammern die vier japanischen Manager gleichzeitig. Da öffnet Yokifuthi Tamishika seinen vor Dollars überquellenden Koffer vor den Finanzern. Er überreicht ihnen das ganze Bestechungsgeld: "Das könnt ihr haben, wenn ihr nur Son Yokabïshi Giratamitso laufen läßt", sagt er in einem zwar sehr japanischen Englisch, aber die Finanzer verstehen es gut und schaufeln sich das viele Geld in ihre Taschen. Zoschhhhhh!!! Uuuooooooh!
Yokabïshi Giratamitso beschließt, gerührt von der Selbstlosigkeit des Yokifuthi Tamishika, seinerseits Fukijama Zukitoketa zu retten und zeigt dem Exportabteilungsleiter der Firma Krug ein Foto von seiner zweiten, auch blutjungen und hübschen Tochter Origami und verspricht ihm in einem fast zur Unkenntlichkeit japanisierten Englisch ihre Hand, wenn er die Angelegenheit mit Son Yokabïshi Giratamitso und dem Sex- und Haushaltsroboter "Diva" von Yamaha vergesse.
Pling! Der Exportabteilungsleiter der Firma Krug versteht wunderbarerweise alles, denn er nickt zufrieden.

Wir bitten die Reisenden nach São Paulo um Geduld.

Fukijama Zukitoketa brüllt: "Haaachaa!", und schmettert Olga mit einem gezielten Karateschlag zu Boden. Baddabomm! Rawumm!! Sie bleibt regungslos liegen.

Son Yokifuthi Tamishika wirft seine Arme in die Luft und ruft verzweifelt: "Und wer rettet mich vor der Polizei?", doch diese interessiert sich gar nicht für ihn, denn einer von ihnen nimmt Fukijama Zukitoketa fest, der gerade vor ihren Augen Olga niedergeschlagen hat und die anderen verhaften die Finanzer, die sich vor ihren Augen von Yokifuthi Tamishika haben bestechen lassen. Flop! Wusch. Da wird Tamishika von einem überwältigenden Ehrgefühl gepackt. Boing. Er öffnet seinen inzwischen von Dollars geleerten Aktenkoffer, greift unter den doppelten Boden ins Geheimfach, holt eine Pistole mit Schalldämpfer hervor und - Bamm!!!, erschießt den Exportabteilungsleiter der Firma Krug, um die Aufmerksamkeit der Polizei von Son Fukijama Zukitoketa, der ihn ja vor dieser gerettet hat, indem er Olga niederstreckte, wieder auf sich zu lenken.

Ha!

Es funktioniert. Die Polizisten lassen die Finanzer und Fukijama Zukitoketa los und eilen dem fliehenden Tamishika hinterher, der mit noch rauchendem Colt über den weiten Flugplatz läuft. Tappatap Tappatappatap! Hop, hop, hop...

Der Eisverkäufer hat das Vanille - und das Erdbeereis bereits aufgebraucht. Es gibt nur noch Himbeer, Schokolade, Sahne und Banane.

Nun wird aber auch der von Son Yokifuthi Tamishika gerettete Yokabïshi Giratamitso von einem überwältigenden Ehrgefühl gepackt. Er wirft sich vor Fukijama Zukitoketa auf die Knie und bettelt: "O Son Fukijama Zukitoketa! Schluchz! Der Exportabteilungsleiter der Firma Krug, dem ich meine zweite Tochter Origami versprochen habe, ist tot. Schau! Das ist ihr Foto. Lechz. Ist sie nicht wunderschön? Du kannst sie heiraten, wenn du Son Yokifuthi Tamishika, der dort drüben von der Polizei fast schon eingeholt worden ist, vor der inzwischen fast zur Gewißheit gewordenen Verhaftung retten kannst."

Zukitoketa nickt, ruft: "Hai! Also gut!", öffnet nun auch seinen schwarzen Aktenkoffer, schaltet in dessen Innerem einen Mechanismus ein, Bamm! Bamm! Bzz - Boom, raddabammmmmmm!! Biiiiiiep!!! Biiiiiiep!! Tap! Tap! pff pff, zielt und wirft den Aktenkoffer genau zwischen den fliehenden Son Yokifuthi Tamishika und die Polizisten, während sich "Superdiva", das aller- allerneueste Modell eines Turbosexroboters von Yamaha selbsttätig aus den in diesem Aktenkoffer befindenden Einzelteilen zusammenbaut. Plof! Fltsch...
Zzz!
Rattabommrattabomm. Kaum landet der schwarze Aktenkoffer des Son Fukijama Zukitoketa vor den Füßen der verdutzt abbremsenden Polizisten, ist die automatische Selbstmontage auch schon abgeschlossen und "Superdiva", der aller- allerneueste Sexroboter von Yamaha steht in obszöner Pose mitten auf dem grauen Asphalt des Flugplatzes, klimpert mit den Wimpern, wackelt mit den Hüften und verführt sämtliche Polizisten, einen nach dem anderen.
Rabamm, Gadusch, Badomm!
Karack!
Wusch! Wock! Patsch!

Die internationale Verzweiflung bei der Gepäcksaufgabe hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Flug nach Rom erfolgt demnächst. Wir bitten alle Reisenden um Geduld.

Yokifuthi Tamishika und Yokabïshi Giratamitso flüchten mit dem ersten, per Handy herbestellten Taxi, die Finanzer fahren mit ihren Autos, wo sie schon wegen der Aufteilung des von Yokifuthi Tamishika erhaltenen Bestechungsgeldes zu streiten beginnen, auf und davon. Gaddabosch!! Fukïjoko Takezukito und Fukijama Zukitoketa warten auf das nächste Taxi - da erleidet der Computer im Inneren der "Superdiva" einen Systemfehler und das aller- allerneueste Modell des Turbosexroboters von Yamaha bewegt sich nicht mehr. Rabang!! So verlieren die Polizisten schnell die Lust und nehmen daher wütend die Verfolgung wieder auf. Mit gezogenen Maschinenpistolen stürzen sie sich auf die beiden japanischen Manager, die sich noch im Fluggelände befinden. Bamm, bamm, bamm! Da wird Son Fukïjoko Takezukito von einem überwältigenden Ehrgefühl erfaßt. Er stellt sich mutig vor Fukijama Zukitoketa und fängt mit seinem Körper die Kugeln der wahllos schießenden Polizisten auf. Hnnnng - arghhh. Blutüberströmt sinkt er zu Boden, direkt neben die Leiche des Exportabteilungsleiters der Firma Krug.

Iiiiiiiiiegh! Das Quietschen der aufsetzenden Reifen eines Flugzeugs übertönt die anderen Geräusche.
Wir bitten die Reisenden nach São Paulo um Geduld.

Dem geistesgegenwärtigen Fukijama Zukitoketa gelingt es in der Zischenzeit, "Superdiva", den Turbosexroboter von Yamaha wieder in Gang zu bekommen und während sich die Polizisten wieder begeistert diesem letzten Schrei moderner Robotik zuwenden, kommt endlich auch das zweite Taxi und bringt Son Fukijama Zukitoketa in Sicherheit. Wroooom...

Der Flug aus Santiago in Chile kommt zu früh.
Katazakrasch!!!!

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