Wintermärchen
ein e-mail-
Comic in Fortsetzungen
von
Danielsupersoft

Vierter Teil
Beim König

„Ich möchte
irgendwo hingehen, wo es nicht so kalt ist“, denkt sich das Mädchen, „aber dazu
muss ich erst einmal Zappering verlassen. Jetzt, da
ich aufgewärmt und satt bin, und deswegen auch keine Kältewimmerfieberphantasie
mehr habe, muss ich eben selbst zusehen, wie ich das schaffe.
Die Fische
sagten, nur dieser Fluss, die Zapper, führe aus der
Stadt hinaus. Ob es mir gelingt, auf der Flussoberfläche zu rodeln?

Aber das
Mädchen weiß davon nichts, und als sich plötzlich alle Sterne verdunkeln und
sich die Rodel mit seltsam schmatzenden Geräuschen unterm Leib der Schlafenden
in ihre Bestandteile auflöst, wacht das Mädchen nur kurz auf, um sogleich
wieder einzuschlafen, weil es ringsum ein kleines Bisschen wärmer geworden zu
sein scheint.

Am nächsten
Tag, etwa zur Mittagszeit, kommen die Bewohner von Zappering
in ihre Stadt zurück.

Sie waren
alle, wie jede Woche, mit Sägen und Brechstangen losgezogen, um die von der
sagenhaften Kälte der zapperinger Umbebung
überraschten und im Eis eingefrorenen Tiere in Blöcken herauszuschneiden und
heim zu transportieren. Von Verkauf und Verzehr dieser frostigen Beute lebt die
ganze Stadt.

Eines dieser
Tiere ist ein großer Fisch, der heute Morgen unten im Fluss entdeckt wurde. Er
war halb aufgetaucht, als er zu Eis erstarrte.
Beim Zerteilen
dieses Fisches nun entdecken die staunenden Zapperinger
in seinem Inneren ein schlafendes Mädchen. Es erwacht bei den Worten:
„Schon wieder diese Göre! Und hat sie auch noch meine
Rodel
dem Fisch verfüttert! Das geht zu weit! Was zu viel
ist, ist zu viel. Meine Geduld und
Großzügigkeit ist
erschöpft. Ich werde das Mädchen in Scheiben
schneiden und in meiner Suppe mitkochen.“
„Nein, das geht nicht.
Ein altes Zapperinger Gesetz
besagt,
dass alles, was an
Schätzen
oder Seltsamkeiten,
das
im Inneren gefundener
eingefrorener
Tiere entdeckt
wird,
dem König zu bringen
ist“, sagt der
Zeremonienmeister des
Königs von Zappering, indem
er sein Flötenspiel
unterbricht.
Die drei Kühe, die der
Zeremonienmeister immer
mit sich führt, heißen
Muh,
Huh und
Wuh.
„Immer wenn
wir etwas finden, kommt der
Zeremonienmeister,
und sonst sieht man ihn nie. Es ist
mir
rätselhaft, wie er errät, dass wir etwas finden, was
den
König interessieren könnte. Aber das wird dieser
Schlampe
auch nichts mehr nutzen. Zum König gebracht zu werden ist womöglich noch schlimmer, als in meiner Suppe
mitgekocht zu werden.“
Traurig denkt
das Mädchen: „Jetzt bin ich immer noch in Zappering.“

Der
Zeremonienmeister führt das Mädchen, an Wuh
angekettet, durch die Stadt zum Palast des Königs, der auf dem nahen Berg oben
steht, von welchem gestern das Pferd mit den Skiebrettern
des Grenzers heruntergeflitzt ist.

Huh und Muh sind mit
anderen Dingen
bepackt, die in anderen
eingefrorenen
Tieren gefunden wurden, und
die der
Zeremonienmeister als für
den König
interessant erachtet hat.
Seiteneingang
Zum
Schloss
Es beginnt wieder
zu schneien…
Im Königssaal
steht die Leibgarde des Königs Spalier.
Der König
begutachtet von seinem Thron aus die gebrachten Funde und lässt sich alles
genau berichten. Dann wünscht er, sich mit dem Mädchen allein in einem seiner
Gemächer zu treffen.

Eiligst
werden alle Vorbereitungen getroffen. Das Mädchen wird von königlichen
Kammerzofen gebadet, neu eingekleidet…

… frisiert…

…und endlich
in ein Privatgemach des Königs gebracht.

Dann öffnet sich die Tür gegenüber und ein Junge, etwa gleich alt
wie das Mädchen, betritt den Raum.

„Hallo“, sagt
das Mädchen.
„Man hat dich im Fisch
gefunden?“

„Ich bin auf
der Rodel eingeschlafen.“
„Jetzt sollst du mein
Spielzeug sein.“
„O.K. Was
sollen wir spielen?“
„Versteckulus?“
„Ich kenne
keine Verstecke in diesem fremden Schloss und du alle. Das ist unfair.“
„Fangulus?“
„Gut. Du
musst mich fangen.“

„Wenn ich…

…dich kriege, lasse ich…

...dir den Daumen absägen.“

Nach kurzer
Zeit ist der König, an derartige körperliche Aktivitäten nicht gewöhnt,
erschöpft.
„Ich – KEUCH – kann nicht mehr – KEUCH –und zur
– KEUCH –
Strafe, dass – KEUCH – du dich – KEUCH –
nicht hast fangen
–
KEUCH
– lassen – KEUCH – werde ich dir – KEUCH – beide
–
Daumen – KEUCH – absägen lassen.“
„Du bist
erschöpft, ich noch frisch. Was, wenn ich dich erwürge, bevor du deine Diener
rufen kannst?“
Ich – HUST KEUCH – ergebe
mich – KEUCH HUST – du hast – HUST HUST – gewonnen
–KEUCH – bitte lass – HUST – mich los!“
„Nein. Wenn
ich dich loslasse, dann holst du doch
deine Diener und lässt mir alle
Finger absägen.“
„Du –KEUCH – kennst mich
– HUST – so gut, als wärst –KEUCH – du bereits seit Monaten – HUST – hier. Aber
–KEUCH – entweder du – HUST – erwürgst mich –KEUCH – und wirst anschließend –
HUST – von meiner Leibgarde getötet –KEUCH – oder du erwürgst mich – HUST –
nicht und –KEUCH – ich lasse dich – HUST KEUCH – aus Rache töten.“
„Ich werde
dich nicht erwürgen, sondern in dieses Zimmer schleppen und hinter uns die Tür
schließen.

Was steht
denn da auf dem Tisch?“

„Wir sind im Zimmer der
Wahrsagerin. In dieser Kristallkugel sieht man ferne Orte. Man braucht nur laut
den Ort zu sagen, den man sehen will.“
„Ich möchte
mein Zimmer in Göttingen, Lindenmannstraße Haus Nummer 14, sehen.“