Wintermärchen

 

ein e-mail- Comic in Fortsetzungen

von

Danielsupersoft

 

 

Dritter Teil:

Zappering

 

 

Das Mädchen rappelt sich hoch und klopft sich mit klammen Händen den Schnee aus Kleid und Haaren.

Dann geht es direkt in die Stadt hinein.

Mit vor Kälte gefühllosen Händen und Füßen geht das Mädchen lange Zeit durch die menschenleeren Straßen der Stadt.

„Wenn ich nicht bald jemanden treffe, werde ich erfrieren“, denkt sich das Mädchen, „oder verhungern oder beides.“

Es klopft an alle Türen, aber niemand scheint zu Hause zu sein.

Ganz lange geht das nun schon so. Das Mädchen klopft mechanisch an jede Tür, geht mittlerweile aber stetig weiter, ohne abzuwarten, ob doch noch jemand eine Tür öffnet.

„Es ist wirklich ein gutes Versteck“, denkt es bei sich, „denn ich kann hier gar niemanden finden.“

Plötzlich öffnet sich hinter dem Mädchen eine Tür.

…sagt eine vertraute Stimme,

…Sie haben meine Skiebretter nicht dabei? Das ist sehr, sehr traurig. Ich dachte, Sie würden sie mir jetzt endlich zurückgeben.“

„Es tut mir leid. Das Pferd ist mit den Skiern davongefahren.“

 „Was? Sie haben meine wertvollen Skiebretter dem Pferd gegeben? Das Pferd ist schon seit Monaten hinter diesen Skiebrettern her, aber bisher ist es ihm noch nie gelungen, sie sich unter den Nagel zu reißen.“

„Das wusste ich nicht. Bitte, lassen Sie mich ins Haus, damit ich mich wärmen kann und machen Sie mir nochmals eine warme Suppe! Ja?“

„Sie unverschämte Person! Erst essen

Sie meine Suppe, ohne zu bezahlen,

dann leihen Sie sich meine wertvollen Skiebretter aus,

und anstatt sie mir zurückzubringen, geben Sie sie

 ausgerechnet dem Pferd, dem ich gerade unbedingt

vermeiden wollte, sie zu geben, weil es so gierig hinter ihnen

her war schon die ganze Zeit.
Und dann verfolgen Sie mich auch noch bis in meine
 Privatwohnung, klopfen einfach unangemeldet an die
Wohnungstür, wollen eine Suppe und sogar hereinkommen
und sagen mir gleichzeitig seelenruhig, dass Sie meine
Skiebretter ausgerechnet dem Pferd gegeben haben. Das ist
grobe Fahrlässigkeit! Das ist Landstreicherei! Das ist Hausfriedensbruch! Das ist unverschämt!“

 „Bitte – ich bin ganz allein in dieser kalten, leeren Stadt, und niemand ist hier, der mir sonst etwas zu essen geben könnte…

…oder wo ich mich etwas wärmen könnte. Ich bin schon ganz steif gefroren. Es ist so bitterkalt.“

 „Wer sind Sie denn überhaupt – haben Sie überhaupt einen Ausweis?“

„Nein (schluchz).“

„Dann hätte ich Sie gar nicht über die Grenze lassen

 dürfen. Ich war viel zu großzügig mit Ihnen und nun

versuchen Sie, dies schamlos auszunützen.

Schämen Sie sich.“

So irrte das Mädchen weiter durch die schon dunkel werdenden Gassen von Zappering. Wie schon sehr oft an diesem Tag geht es wieder über eine enge Brücke…

…und schaut hinunter in den zugefrorenen

Fluss.

Unter der Eisschicht schwimmen langsam dicke Fische hin und her, die von oben als dunkle Schatten gerade noch zu erahnen sind. Die Fische machen ihre Mäuler auf und zu als wollten sie etwas sagen.

„Sie erzählen sich, wie man aus dieser schrecklichen Stadt am schnellsten verschwindet“, sagt plötzlich jemand aus der Höhe, und fügt hinzu: „zum Glück ist die Zapper zugefroren, sonst würde sich jeder Besucher der Stadt, der hier verzappert, aus Verzweiflung hineinstürzen.“

„Wer spricht?“, fragt

das Mädchen

und blickt empor…

 

„Ich bin deine Kältewimmerfieberphantasie.“

 

„Und was rätst du mir, nun zu tun?

 Wie kommt man aus dieser

fürchterlichen Stadt?“

 

 

„Die Fische sagen, dass einzig der Fluss

hinausführt.“

 

„Aber der ist

doch zugefroren.“

 

„Geh zum Haus des Grenzers zurück und frag ihn,

ob er dir seine Rodel leiht!“

„Aber der Grenzer ist doch schon so böse auf mich, weil das Pferd seine Skier bekommen hat. Der wirft mich nur schimpfend hinaus und gibt mir sicher nichts.“

„Erst war er freundlich, dann war er unfreundlich. Vielleicht ist er jetzt wieder freundlich?“

„Das glaube ich nicht. Er ist endgültig unfreundlich geworden.“

„Dann erfrierst du eben. Mir fällt keine andere Lösung ein.“

Was bleibt dem Mädchen übrig, als dem Ratschlag seiner Kältewimmerfieberphantasie zu folgen und es wenigstens zu versuchen? Welche Tür war es nur?

„Ich möchte dem Pferd hinterherfahren, um Ihnen die Skier zurückzubringen.“

„Und Ihr Ausweis? Ohne Ausweis geht bei mir gar nichts.“

„Den hat auch das Pferd. Wenn ich es mit der Rodel einhole, habe ich auch meinen Ausweis.“

„Das leuchtet mir ein. Aber Sie sind ja ganz durchgefroren! In diesem Zustand dürfte es schwierig, wenn nicht gar ganz unmöglich sein, das Pferd zu fangen. Kommen Sie doch herein! Ich mache Ihnen eine Suppe, damit Sie die Verfolgung, wieder gestärkt und aufgewärmt, aufnehmen können.“

„Bitteschön, meine Dame!“

2. Teil

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4. Teil