Wintermärchen
ein e-mail-
Comic in Fortsetzungen
von
Danielsupersoft

Achtung! Keine Pokemon-
Serie!
Zweiter Teil:
Das Versteck

Es ist hier
unten ganz dunkel und riecht nach Stall. Diesen Geruch kennt das Mädchen von
ihren Ferien, bei Oma auf dem Lande. Hier in Göttingen ist aber eigentlich weit
und breit kein Stall.
„Hallo?“,
sagt plötzlich jemand in der Finsternis.
„Hallo, wer
spricht da?“

„Ich bin dein
Freund.“
„Ich
verstecke mich hier. Darf ich bleiben?“
„Ja. Aber
wenn sie dich oben nicht finden, werden sie in der Wohnung alles durchsuchen
und dabei sicher auch die Pflanze verschieben und das Loch im Boden sehen. Dann
ist das hier auch kein besonders gutes Versteck mehr.“
„Was soll ich
denn machen?“
„Du kannst
von der Leiter direkt auf meinen Rücken steigen und dich an meiner Mähne
festhalten.

Dann bringe
ich dich weit, weit fort von hier und niemand wird dich mehr finden können. Ich
bin ein schnelles Pferd.“
„Ich weiß gar
nicht, ob ich mich sooo gut verstecken will“, meint
das Mädchen zaghaft, aber schon galoppiert das Pferd los und das Mädchen hält
sich so gut fest, wie es nur kann.

Der Ritt geht
eine Weile durch völlige Finsternis…

…bis sie
plötzlich durch einen Tunnelausgang ins Freie gelangen.
Das Pferd
galoppiert, ohne langsamer zu werden, über weite Wiesen und durch dunkle
Wälder, über scharfe Bergrücken, wo es links und rechts steil abwärts geht und
durch tiefe, enge Schluchten, bis es dunkel wird.
Es beginnt zu
schneien.

„Ich schlafe
im Stehen“, sagt das Pferd.
Das Mädchen
legt sich unter das Tier auf den Boden, um vom Schnee etwas geschützt zu sein.

Am nächsten
Morgen ist das Pferd voller Schnee, und als das Mädchen erwacht, tun ihm alle
Glieder weh, weil es nicht gewöhnt ist, auf dem harten Boden zu schlafen und
weil es vor Kälte schon fast steif gefroren ist.
Das Pferd
schüttelt den Schnee von seinem Rücken.

Jetzt kann
das Mädchen auf den entstandenen Schneehaufen klettern und von dort aus aufs
Pferd springen.

„Wenn es
weiter so schneit“, sagt das Pferd beim Weitergaloppieren, „kommen wir nicht
über den Pass, und wenn wir nicht über den Pass kommen, dann ist die Versteck
nicht perfekt.“
Beim Bahnhof
soll das Mädchen den Bahnbeamten fragen, der wisse immer genau, wie das Wetter
werde, erklärt das Pferd.

„Heute wird es bald zu schneien
aufhören“, sagt der Bahnbeamte, „und
dann wird es den ganzen Tag nicht weiterschneien.“
„Danke“, sagt
das Pferd, „dann kommen wir vielleicht doch noch über den Pass. Dort“, sagt es
zum Mädchen“, wird dich wirklich niemand mehr finden.“
„Ich weiß
nicht, ob ich mich überhaupt sooooo gut verstecken
will“, sagt das Mädchen leise, aber das Pferd scheint auch diesmal nichts
gehört zu haben und saust in gestrecktem Galopp die steile zugeschneite Wiese
bergauf.

Allmählich
hört es auf zu schneien.
„Bis du
eigentlich ein Kletterpferd?“
„Nein – aber
bald sind wir oben.

Siehst du?
Das ist die Hütte des Grenzers. Das erkennt man an der Grenzschranke dahinter.
Spring jetzt von meinem Rücken und klopf an die Türe!“, sagt das Pferd.

„Hallo“, sagt
das Mädchen.

„Danke für die
Suppe“
„Bitte sehr, meine Dame.“

Noch
schneller als der Aufstieg ist die rasante Talfahrt…

Plötzlich fährt
das Pferd mit lautem Wiehern in eine scharfe Linkskurve und das Mädchen fällt
von seinem Rücken in den Schnee.

„Hier ist die
Stadt Zappering, das perfekte Versteck“, ruft das
Pferd im Weitersausen, „dort wird dich sicher gar, gar niemand finden“, und dann
verschwindet es zwischen einigen Bäumen.
„Soooo gut wolle ich mich eigentlich gar nicht verstecken“,
sagt das Mädchen leise.