Die Prozession der Käfer
Oper für Sopran und andere Säugetiere
von Manuela Kerer und Daniel Oberegger
FORM: 2 4 2 3 1 2 2 4 5 2 7 6
(entspricht auch den 12 Szenen A bis L)
Personen:
Sängerin (S)
Sprecher (Spr)
Manuela (M)
Daniel (D)
Streichquartett (Vl I, Vl II, Vla + Cello)

A
M + D: Würfel im Richterhut innen die Runde schwenken, von den Ecken
des Raums starten und ins Zentrum gehen.
S: Nachdem das Geräusch anfängt, Mundbewegungen machen, als
würde man Koloraturarien singen, aber dabei stumm bleiben.
Spr: Ein Schild vor die Brust der Sängerin halten mit der Aufschrift:
"Die Prozession der Käfer"
Spr: Macht gestikulierend Sprechbewegungen, aber stumm.
S: Sie hält ein Schild vor die Brust des Sprechers mit der Aufschrift:
"Oper für Sopran und andere Säugetiere".
S: Erneut Singbewegungen, stumm.
Spr: Er hält ein Schild vor die Brust der Sängerin mit der Aufschrift:
"Von Manuela Kerer und Daniel Oberegger".
M + D: Lassen die Würfel auf den Boden fallen.
Spr: Sagt die Summe der beiden Würfelangaben.
Chor: Marienkäfer, Maikäfer, Mistkäfer, Borkenkäfer.
Spr: Wer sagt denn, dass wahr ist was wahr ist?
Wer meint noch, das Schlechte sei schlecht?
Und gut sei er selbst und wer Gutes tut?
Und das Recht sei noch echt und gerecht?
Wer kennt sich noch aus in der Gegenwart?
Wer wahrt sich den Ü-hü-berblick?
Und ist nicht im Denken und Tun erstarrt
Und lebt ganz in Ruhe und Glück?

B
D: singt leise, tibetische Mönche nachahmend, unverständliche
Mantras
Spr: Jetzt ist immer.
Die Zeit ist da, der Raum offen
S:
aber wir haben eine Einteilung - und die hat eine Form:
M + D: Zwei, vier, zwei, drei, eins, zwei, zwei, vier, fünf, zwei,
sieben, sechs.
Spr+S: Was ist denn das? Was ist denn das?
M: Das sind 12 Ziffern in der Welt.
Spr+S: Das ist schon was. Das ist schon was.
D: In diesem Fall 12 Ziffern.
Spr+S: Was ist denn das? Was ist denn das?
M: Ein Fall ist, dass 12 Ziffern sind.
Spr+S: Das ist schon was. Das ist schon was.
D: Die Welt ist, was der Fall ist,
Spr:
der Fall im Sinn von Fallen.
S: Wir fallen durch die Zeit.
Spr (setzt sich eine Mütze auf): Das Objektive sitzt gut. Es passt.
Die Umstände sind immer günstig für das, das ist.
S: Und wenn es nicht so wäre?
Spr: Wäre es anders, wären diese anderen die objektiven Umstände,
und
Spr+M+D: günstig und günstig und günstig
Spr:
für das, was wäre.
S: Aber dann wollen wir alles genauer wissen.
D: Und dann wollen wir alles besser eingeteilt haben.
Spr. (kratzt sich am Kinn und Bauch): Denn dann wollen wir uns auf ewige,
unveränderliche Gesetzmäßigkeiten, auf Ziffern, Zahlen
und andere Gegenstände ewigen Seins berufen
S+Spr+D:
aus Furcht vor Fehlern.
Spr: Im tatsächlichen Zustand der Welt gibt es natürlich keine
Fehler. Was geschieht, geschieht fehlerlos.
S: Dabei stellen sich Mittel und Pläne, die eingesetzt werden
M: Dabei stellen sich Gesetze und Regeln, die aufgestellt werden
M+D teilen Ziffern aus, je 6 pro Kopf.
S: Nimmt ihre Noten vom Pult und schlägt sich damit im Rhythmus gegen
die Stirn.
Spr: Dabei stellen sich Kontrollen und Kontrollen und Kontrollen, die
durchgeführt werden
D tastet M von oben bis unten ab, wie es die Polizei am Bahnhof oft macht.
Spr:
um keine Fehler zu machen
S:
um Fehler zu vermeiden
D:
um eventuelle Fehler, die schon gemacht wurden, auszubessern
Spr:
meistens als die großen Fehler heraus,
S: die größeren Fehler,
M+S+Spr: die allergrößten Fehler,
S+Spr+D: und das sieht, natürlich im Nachhinein
jeder immer wieder ein und jeder immer wieder ein.
und das sieht, natürlich im Nachhinein
jeder immer wieder ein.
D + M: murmeln beide Mantras.
Spr+S: Von Vornherein, von Vornherein,
da planen wir und planen wir schon die nächsten Fehler.
Spr: Solch ein zweckloser Plan und Fehler wurde bereits ausgeheckt: Nämlich:
S+M: Oh! Zeigen durch sich ändernde Abstände der Handflächen
verschiedene Längen an.
D: Es sollen zwölfe sein, wie die Monate im Jahr, aber von unterschiedlicher
Länge.
S+Spr (mit großem Ausdruck und Gebärde): Oh! Rechnen stirnrunzelnd
mit den Fingern.
M: Es sind 12 Ziffern, wie die Ziffern von 1 bis 12, aber manche wiederholen
sich, andere kommen gar nicht vor, und sie sind auch nicht der Größe
nach geordnet.
S+Spr (mit übertriebenem Ausdruck und Gebärde): Oh! Formen mit
den Händen einen Gugger und schauen in den Himmel.
D: Wie die 12 Sternbilder sind alle 12 verschieden, aber niemand würde
sie bemerken, wenn er nicht ausdrücklich darauf hingewiesen würde,
und dies gilt natürlich auch für unsere Einteilung, die da lautet:
S+Spr: 242, 3122, 452, 76.
D + M murmeln beide Mantras
Spr: Nochmals, zum Mitschreiben, Auswendig lernen oder in Grabsteine einzumeißeln
(die Akzente durch Stampfen mit den Füßen verstärken,
dass eine Art asymmetrischer Tanz entsteht): Zwe-i, vie-rie-rie-rier,
zwe-i, dre-i-i, eins, zwe-i, zwe-i, vie-rie-rie-rier, fü-hü-hü-hü-hünf,
zwe-i, sie-be-nie-be-nie-be-ben, se-und-e-he-und-echs.
S: An diesem Beispiel sieht jeder, wie wahnsinnig sinnvoll und wichtig
es ist, eine Einteilung zu haben.
Spr: Nun zum Wetter: Die Wolken schweben am Himmel, die Bäume stehen
auf dem Boden, außer bei sehr heftigen Wirbelstürmen. Wenn
die Sonne scheint, ist es im Allgemeinen heller. Ich danke für die
Aufmerksamkeit.

C
S: Sieht dem Sprecher beim Grübeln zu.
Spr: Kopf in Hand stützen, ins Leere schauen, grübeln, aber
nur Mimik.
Vl 1: geht inzwischen zu Radio im nächsten Raum. Radiorauschen, durch
ständiges Laut-Leise-Schalten.
M+D: wandern besorgt zwischen den beiden Räumen, stumm sich über
die undisziplinierte, blöde Geigerin ärgernd.
Alle nach einiger Zeit ins nächste Zimmer wandern. Notenständer
und andere Utensilien mitnehmen, wie Marionetten rhythmisch, leerer Blick.
Cello: offensichtlich seeehr genervt ob des Aufwandes... wilde Anstalten
mit dem groooßen Cello machend.
Spr (dazu sprechen, sehr rhythmisch und akzentuiert): Dir fehlt die richtige
Information.
Cello: warten, bis alle Utensilienabgestellt sind und alle anderen längst
sitzen, dann auf Stuhl plumpsen.
S: Was ist denn die richtige Information?
S (pathetisch): Zu wissen, welche Information wann und wozu die richtige
ist.
M+D zucken wie Marionetten mit den Achseln und dirigieren sich mechanisch
zu.
S: Also Meta- Information, Meta- Information, Meta- Information.
Spr (ganz steif sitzen, Blick ins Leere, Kopf im Takt schräg wippen):
Wo steht die? Im Fernsehen beim ORF? Beim ZDF? (so schnell es geht SCHREIEN,
aber verständlich): Oder tut der Berluschga sie senden?
S (sofort: richtiger Angstschrei, zum Fürchten... geht über
in "Indianer"): Ah! Auch.
Spr (ziemlich schnell...): Im Internet beim Google und Yahoo?
S (sofort: richtiger Angstschrei, zum Fürchten... geht über
in "Indianer"): Ah! Auch.
Spr (extrem schnell, gehetzt, aber verständlich): In der Tessmann-
Bibliothek? Im Hugen- Dubel- Buchgeschäft?
S (sofort: richtiger Angstschrei, zum Fürchten... geht über
in "Indianer"): Ah! Auch.
Spr ("normal"): Und wie tu ich erkennen, welche die richtige
Meta- Information ist?
M+D zucken wie Marionetten mit den Achseln und dirigieren sich mechanisch
zu.
S: Mit mit Meta- Information, und Meta- meta- meta- Information, und Meta-
meta- meta- meta- Information.
M+D+Sprecher: einhängen und schunkeln... (wie Marionetten)
Spr: Gut, dass es das gibt, jetzt tu ich alles wissen. Denn: Was gibt
es objektiveres als einen Tatbestand? Einen Sachverhalt? Eine Rahmenbedingung.
Nun sind es aber gerade die Rahmenbedingungen, Sachverhalte und Tatbestände,
die uns an allem hindern, und damit hindern sie uns auch an der Objektivität.
Objektiv ist die Folge
M+D schalten zwischendurch an den Radiogeräten herum und sagen mit
mechanischer Computerstimme Wörter wie: "Metainformation, Tatbestand,
Sachverhalt, Rahmeninformation".
Spr (betont, nachdrücklich):
242312245276. Das ist fad. Alles
ist fad, denn ich bin fad. Ich langweile mich, und mein Ich langweilt
sich mit sich selbst am allermeisten
S (Schmerz empfindend): schmerzt (noch mehr): schmerzt
Spr:
so sehr, dass es schmerzt.
Einschub 1 in C
Cafèhausmusik - Manuela und Daniel ziehen sich die Kutten der
Richter an.
M: Wer hat die Ziffer 1?
Die Person im Publikum wird gefunden.
D: Wie lautet Ihre Steuernummer?
Im Fall, dass das Publikum die Nummer weiß, schreibt sie Daniel
eifrig mit, Manuela blättert in den Akten,
findet die Nummer.
In jeden Fall sagt Manuela: Schlecht. Sehr, sehr schlecht. Herauskommen.
Die betreffende Person muss sich herstellen.
D: Wer hat die Ziffer 3?
Die Person im Publikum wird gefunden.
M: Wie lautet die Nummer Ihres Wahlausweises?
Im Fall, dass das "geistreiche" Publikum die Nummer erfindet,
schreibt sie Daniel eifrig mit, Manuela blättert in den Akten, findet
die Nummer.
In jeden Fall sagt Daniel: Gut. Sehr, sehr gut. Herauskommen.
Die betreffende Person muss sich auch herstellen.
M: Wer hat die Ziffer 7?
Die Person im Publikum wird gefunden.
D: Wie viel ist 659 mal 8293?
Was auch immer die Antwort ist, Manuela sagt: Das ist mir egal. Herauskommen.
Die betreffende Person muss sich auch herstellen.
Der Sprecher legt ein Buch oder Brett auf den Kopf der drei herausgekommenen
Personen, einer nach der anderen, der Sopran misst jeweils mit Meterband,
singt mit bizarren Tönen die Höhe, Daniel und Manuela schreiben
eifrig mit.
Daniel holt den großen Taschenrechner und tippt die Größen
ein: Wir müssen rechnen.
Manuela nimmt die Zahlen weg, Sopran singt jeweils das Resultat.
D (zum Mittegroßen): Sie haben die durchschnittliche Höhe.
Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Mittelmäßigkeit.
M: Als Preis erhalten Sie diese Trophäe. Sie setzt ihm Fühler
auf. Bitte aufbehalten.
Spr (winkt die Musiker ab): Wir können fortfahren. Bitteschön.
Er gibt den Einsatz für die Fortsetzung von Szene C.
Fortsetzung von C
S (Schmerz empfindend): i i i i schmerzt.
Spr: Ich will mich auflösen, denn das Ich schmerzt.
S: Wie denn?
Spr: Die Methode? Alle Methoden methodisch zu negieren wäre eine
günstige Methode.
S: Was kommt dabei heraus?
Spr: Die Welt ablehnen, vollständig, denn alles in ihr ist nichts
Anderes als immer und immer wieder ich, da ich es ja ausschließlich
über mich wahr nehme, mit meinen Augen sehe, mit meinen Ohren höre,
M+D spielen inzwischen im Viertel- und Achteltakt Spielele mit Hände-gegenseitig-klatschen
über Kreuz usw.
Spr:
vor allem aber mit meinem Verstand erfasse. Ich bin der Bürokrat,
will Sicherheit, wo dies doch weit und breit nichts als Unsicherheit erzeugt,
will es lieber genau als ungefähr wissen, wodurch es, je genauer,
umso weniger lebendig ist. Ich ziehe offensichtlich das Tote dem Lebendigen
vor, also: Lieber tot als lebendig, lautet meine Devise.
S: Aber wenn man sich bereits erschossen hat, geht einem der Gedanke,
sich zu erschießen nicht mehr durch den Kopf.
Spr: Ich bin ja schon tot.
M+D schalten sämtliche Rauschradios ein, zudem eingesprochene Texte,
CHAOS, aber nicht ZU laut...
Spr: Die Welt ist irreversibel. Dies allein ist Schuld, dass ich mich
so um Sicherheit bemühe, obwohl ich weiß:
Sängerin+M+D spielen inzwischen im Viertel- und Achteltakt Spielele
mit Hände-gegenseitig-klatschen über Kreuz usw.
Spr (Wie in Zeitlupe, auch Mimik, accelerando der anderen standhalten):
Gerade das Trachten nach Sicherheit macht die Welt so unsicher und bedrohlich.

D
D und M haben je 6 Zeitungsblätter, in denen sie stirnrunzelnd lesen
und die sie zerreißen.
S: Was machst du?
Spr: Ich denke nach.
S: Worüber denn?
Spr: Über mich und die Welt.
S: Wann bist du damit fertig?
Spr: Das ist nicht abzusehen.
S: Dann lass die trübe Grübelei, und geh mit mir spazieren!
Spr: Wohin denn?
S: Über blumige Wiesen, durch dichte Wälder.
Spr: Weshalb denn?
S: Allein zu gehen macht mir Angst, zu zweit wär's wunderbar, doch
gehen will ich unbedingt.
Spr: Hast du einen Plan? Eine Landkarte wenigstens?
S: Nein, ich hab ja dich. Komm jetzt.
Spr: Na gut, gehen wir.
S: Die Wiese ist so grün.
Spr: Das ist das Chlorophyll.
S: Die Blumen duften so gut.
Spr: Pheromone.
S: Die Schmetterlinge spielen in der Sonne.
Spr: Sie versuchen, sich fortzupflanzen.
S: Der Himmel ist so groß.
Spr: Die Erde ist klein.
Einschub in D
Cafèhausmusik - Manuela und Daniel setzen sich die Richterhüte
auf.
Manuela, mit Klopfhammer: Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Kongratulation,
der Turboakkomodator geht an die Dame in Blau. Wir kommen nun zur nächsten
Auktion.
Daniel: Wir versteigern nun die nächste Szene, es geht um die Verwandlung
von unserem Sprecher, dem Herrn Ploner, in einen Berg.
Manuela: Mindestgebot ist 3/17 Ihres Verstandes. Wer bietet mehr?
Fall 1: Publikum bietet Geld
Daniel: Nein, so geht das nicht. Bieten Sie bitte mit Verstand! Und ähnlich,
bis Fall 2 oder 3 eintritt. Fall 2: Publikum bietet Verstand.
Weiterbieten, mehr und mehr
Fall 3: keine Reaktion vom Publikum.
Sopran: Ich biete! Ich biete!
Daniel: Was bieten Sie?
Sopran: Ich biete meinen ganzen Verstand
Sprecher: Moment, Moment! Mein Verstand ist doch mindestens zehnmal so
viel Wert wie Ihr halber!
Daniel holt den großen Taschenrechner: Dann müssen wir rechnen.
Manuela nimmt die Zahlen weg, Sopran singt jeweils das Resultat.
Daniel: Die Rechnung hat ergeben, dass der Mittelmäßige die
Auktion gewinnt.
Manuela geht mit dem Topf mit den 3 Schokoladen zum Mittelmäßigen
im Publikum: Ziehen Sie Ihre Szene!
Daniel: Was ist es?
Publikum: Eine Schokolade.
Daniel: Welcher Geschmack? Was für eine Sorte?
Publikum: Nougat oder Marzipan oder Haselnuss.
Sopran: Hurra! Es ist die (Nougat oder Marzipan oder Haselnuss)-Szene.
Manuela zum richtigen Auktionsgewinner (Fall 2) oder zum Sopran (Fall
3): Sie bekommen zum Trost einen Patzerpreis. Sie setzt ihm Fühler
auf.
Sprecher winkt die Musiker ab: Wir können fortfahren. Bitteschön.
Er gibt den Einsatz für die Fortsetzung von Szene D.
Fortsetzung von D
S: Gerade aus den Berg hinauf!
M+D (laut schnaufen): Hau-ruck! Hau-ruck!
Spr: Na schön.
S: Fang mich auf, wenn ich ausrutsche oder abstürze, abgemacht?
Spr: Ich werd's versuchen, wenn ich nicht selbst gerade rutsche.
S: Siehst du, wie viele Steine hier sind?
M+D: Seifenblasen machen
Spr: Trete sie nicht los, sonst fallen sie auf mich.
S: Halte sie auf, sonst fallen sie ins Tal.
Spr (er versucht, die Seifenblasen aufzuhalten): Bei steilen Geröllhalden
hat die Schwerkraft leichtes Spiel.
S: Ich aber bin noch leichter als das Spiel der Schwerkraft. Schau, wie
ich hüpfe und tanze!
Spr+M+D (geschrieen): Gib Acht!
S: Erschreck mich nicht, sonst stürz ich noch.
Spr+M+D (geschrieen): Pass auf!
S: Jetzt wärst du fast der Grund gewesen, dass ich rutsche, statt
meine Rettung zu sein.
Spr: Ich kann ja wieder hinuntersteigen und dich alleine weiterklettern
lassen.
S: O nein, o nein!
Spr+D+M: Viel Spaß!
S: Nein bleib hier, wir sind gleich oben, siehst du?
Spr: Ich kehr jetzt um, ich kehr jetzt um.
M+D (mit Taschentüchern winken): Tschü-hüß!
S: Nein bleib hier bei mir, wir sind gleich oben, siehst du?
Spr: Tatsächlich, im Wald wird es etwas ebener.
S: Hörst du das Bächlein? Ich habe Durst.
Spr: Dort drüben!
S: Was aber, wenn der Quell verwunschen ist, und wer draus trinkt verwandelt
sich?
Spr: Dann sollte ich's versuchen. Ist das Wasser gut, trinkst du auch,
ist es verwunschen, ist mir um mich nicht Leid. Ich hab mich selber lang
schon satt und möchte manchmal gern verwandelt sein, egal in was,
nur anders als gewohnt.

E
Je nach im vorigen Einschub gezogener Schokolade wird nun die jeweilige
Version von "E" aufgeführt.
E1: Nugat
M, D, und S stopfen sich gegenseitig geräuschvoll Schokolade ins
Mäulchen...
Vl 1 (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Zucker, Haselnussmasse,
Kakaobutter, Kakaomasse, Sahnepulver, Magermilchpulver, Süßmolkenpulver.
Vl 2 (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Milchzucker,
Butterreinfett, Emulgator: Soja Lecithin, Aroma Vanillin.
Vla (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Kann Spuren
von anderen Nüssen, Weizen und Ei enthalten.
Vc (frei, dazu alle Streicher ansprechen,
im Plauderton): Nugat, Nugat, Nugat.
Spr: langsam Glas füllen, langsam und ausgiebig trinken, laut ausatmen.
S (Wasser aus Glas in
Kübel schütten): Nugat?
Spr: So, es geht los: in der Folge spektakuläre Verwandlung, zunächst
Übergeben markieren, dann beginnen zu zittern, bis es den ganzen
Körper nur noch so schüttelt. (Wir stellen uns einen Kampf mit
einem Unsichtbaren vor, dabei den ganzen Raum durchqueren, gern das Publikum
anrempeln...)
S: Nugat? (in der Folge immer "kleiner" werden in Ton und Körperhaltung)
Hmh Hmh? (am Boden liegend, Hände und Beine nach oben wie umgedrehter
Käfer, röcheln): Öööö
Spr: Augen abrupt extrem öffnen,
einstweilen so bleiben
Alle (als ob es von draußen, von der Ferne käme... Mund fast
nicht bewegen, aber deutlich, Spr. mit monumentalem Gesichtsausdruck und
monumentaler Körperhaltung demonstrativ hinstellen): Es ist vollbracht.
E2: Marzipan
M, D, und S stopfen sich gegenseitig geräuschvoll Schokolade ins
Mäulchen...
Vl 1 (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Zucker, Kakaomasse,
Mandeln, Kakaobutter, Invertzuckersirup, Emulgator: Lecithine (Soja.)
Vl 2 (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Aroma Vanillin.
Spuren: Erdnüsse, Nüsse, Milcherzeugnisse.
Vla (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Kann Spuren
von anderen Nüssen, Weizen und Ei enthalten.
Vc (frei, dazu alle Streicher ansprechen,
im Plauderton): Marzipan, Marzipan, Marzipan.
Spr: langsam Glas füllen, langsam und ausgiebig trinken, laut ausatmen.
D+M: Wasser aus Schaffl schöpfen.
S: Marzipan?
Spr: So, es geht los: in der Folge unspektakuläre Verwandlung, es
passiert ganz banal eigentlich nichts, aber zum Schluss bist du ein Berg...
Den anderen gelangweilt zuschauen, keine großen Bewegungen.
S: Marzipan? (in der Folge immer "kleiner" werden in Ton und
Körperhaltung) Hmh Hmh Hmh? (am Boden liegend, Hände und Beine
nach oben wie umgedrehter Käfer, röcheln): Öööö
Spr: Augen abrupt extrem öffnen,
einstweilen so bleiben
Alle (als ob es von draußen, von der Ferne käme... Mund fast
nicht bewegen, aber deutlich, Spr. mit monumentalem Gesichtsausdruck und
monumentaler Körperhaltung demonstrativ hinstellen): Es ist vollbracht.
E3 Haselnuss
M, D, und S stopfen sich gegenseitig geräuschvoll Schokolade ins
Mäulchen...
Vl 1 (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Zucker, Kakaobutter,
Haselnüsse (gehackt), Kakaomasse, Sahnepulver, Magermilchpulver,
Süßmolkenpulver
Vl 2 (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Milchzucker,
Butterreinfett, Emulgator: Lecithine (Soja), Aroma: Vanillin
Vla (frei, dazu alle Streicher ansprechen, im Plauderton): Kann Spuren
von anderen Nüssen, Weizen und Ei enthalten.
Vc (frei, dazu alle Streicher ansprechen,
im Plauderton): Haselnuss, Haselnuss, Haselnuss.
Spr: langsam Glas füllen, langsam und ausgiebig trinken, laut ausatmen.
S: Haselnuss?
Spr So, es geht schnell los: in der Folge im Zeitraffer relativ spektakuläre
Verwandlung. Ähnlich wie bei E1 Nugat, aber Schwerpunkt auf extremer
Geschwindigkeit.
S: Haselnuss? (in der Folge immer "kleiner" werden in Ton und
Körperhaltung) Hmh Hmh Hmh? (am Boden liegend, Hände und Beine
nach oben wie umgedrehter Käfer, röcheln): Öööö
Spr: Augen abrupt extrem öffnen,
einstweilen so bleiben
Alle (als ob es von draußen, von der Ferne käme... Mund fast
nicht bewegen, aber deutlich, Spr. mit monumentalem Gesichtsausdruck und
monumentaler Körperhaltung demonstrativ hinstellen): Es ist vollbracht.

F
Die Sängerin legt sich auf den Boden, um zu rasten. Manchmal seufzt
sie leise und dreht sich auf die andere Seite, um weiterzuschlafen.
Spr: Was ist denn das? Was ist denn das?
Das Wasser schmeckt wie Glas.
An mir herab rinnt es in Strömen und Wasserfällen.
Habe ich mich verwandelt?
Nein, habe ich nicht. Ich bin immer noch ich.
Doch momentan schmerzt das Ich nicht mehr so arg.
Ja, wenn ich mich darauf konzentriere,
verliert es sich beinah.
Es ist fast nichts, es ist fast nichts.
Ich habe mich zwar nicht verwandelt, dafür hat sich plötzlich
alles um mich herum ein wenig verändert.
Der Himmel ist näher gerückt und die Sonne.
Ich bleibe gelassen und sehe die Wolken.
Sie sind plötzlich so klein, umschweben mich feucht, reichen mir
nicht ganz bis zur Schulter.
Das ist schon was. Das ist schon was.
Ein erfrischender Wind weht aus allen Richtungen.
Da sind 12 Ziffern in der Welt.
Einsam stehen sie in der Landschaft, kaum zu erkennen.
D: Ganz unten am Boden haben sich auch alle Menschen verwandelt, in winzige
Käfer. Emsig krabbeln sie hierhin und dorthin, unverständlichen
Zielen entgegen.
M.: Dijeridoo- Ton.
Beim Dijeridoo- Ton "erwacht" die Sängerin, gähnt
und streckt sich.
D: Die meisten Käfer haben Räder, andere haben keine.
S: Sie sieht fasziniert dem Sänger zu, mustert ihn von unten bis
oben.
D: Oft hängen sie sich aneinander, oft gehen sie einzeln.
S: Wo ist jene, die mich zum Spaziergang überredete?
Was ist aus ihr geworden?
M. + D. krabbeln am Boden, zwischen den Füßen der Musiker,
eifrig umher.
S: Hat sie etwa dasselbe Schicksal der anderen Menschen ereilt? Muss auch
sie als kleiner, krabbelnder Käfer rastlos umherkrabbeln?
Es könnte so sein.
Ich kann sie nirgends erkennen.
Alle packen ihre Sachen (Instrument, Notenständer usw.) und gehen
ins nächste Zimmer.
G
Nach der Prozession: Streicher in Spielposition,
ER stellt sich monumental-"bergisch" zentral hin;
SIE steht entzückt vor IHM;
M+D begutachten ihn, wundern sich lautlos...
M+D setzen sich im Schneidersitz vor SIE und IHN, stützen Kopf in
beide Hände, erwartungsvoll wie Kinder vor einem Kasperletheater...
in der Folge umkreist SIE IHN bis zum Schluss von G mit langsamen, verführerischen
Bewegungen; wie eine Schlange anschmiegend, an eine Bauchtänzerin
erinnernd, das Ganze hat aber dennoch etwas Trauriges. Ambivalenz zwischen
extremer Freude und Ungewissheits-Ängstlichkeit.
S: Sch Sch Ah uh mh uh ah oh ah uh
Berg oder Gott, Berg und Gott? Unbegreiflich
Unbegreifliches Wesen zwischen Berg und Gott.

H
Spr: Ganz alleine habe ich kein Verlangen, den Spaziergang fortzusetzen.
S: Soll ich mich nun beklagen, einen verloren zu haben, der mit mir spazieren
geht, oder soll ich mich freuen, einen bekommen zu haben, auf dem ich
spazieren kann?
Spr: Ich bleibe am Besten da, wo ich gerade bin. Auch fühle ich mich
seltsam schwer. Die Schwerkraft scheint plötzlich ungemein zugenommen
zu haben.
M+D: Sie heben den Sprecher auf und tragen ihn mit sichtlicher Mühe
nach vorne.
Der Sprecher kauert sich auf den Boden.
M+D: Ziehen sich Pantoffeln an und spazieren hintereinander behutsam über
den Rücken des Sprechers.
Spr: Ist so etwas in der Physik vorgesehen? (Er richtet sich auf und kehrt
an seinen Platz zurück. Er setzt sich eine Mütze auf.) Ich fühle
mich plötzlich ganz objektiv. Das sitzt gut und passt zu mir. Die
Umstände sind günstig dafür, dass ich hier einstweilen
so stehen bleibe.
Und wenn es nicht so wäre?
Wäre es anders, wären diese anderen die objektiven Umstände,
und
Spr+D+M:
günstig und günstig und günstig
Spr:
für das, was wäre.
S: Soll ich ferner erleichtert sein
M+D: Zeigen mit dem Finger auf den Sprecher.
S:
dass er gekostet hat vom Wasser und ich
M+D: Zeigen auf die Sängerin.
S:
seinem Schicksal entrann, selbst zum Berg zu werden? Oder soll
ich bedrückt sein dass nun, da ich weiß, was dem geschieht,
der hier trinkt, ich es wohl kaum wagen werde, vom selben Wasser zu kosten?
Wohl dennoch ahnend, dass, wenn ich's wagte, ich unermessliches Glück
gewönne im Tausch gegen Zagen und Zögern?
Spr: Ich bleibe also hier.
Ich bleibe hier, solange die Bedingungen so günstig dafür sind.
S: Ach, ich weiß: Ich darf den Augenblick nicht vertun
Spr: Ich schaue rundum in die Welt.
M+D: Spähen in die Runde, sich gegenläufig um die eigene Achse
drehend.
S:
will mich stürzen auf den Quell, nur nicht lange überlegt
Spr: Kleine Käfer gibt es unzählige, doch sie sind nicht so
wichtig.
S: Schon werf ich mich nieder, schöpfe mit beiden Händen, wie
von Sinnen, trinke und trinke.
Doch nichts geschieht mit mir, bloß der große Durst von vorhin
ist gelindert.
Ich bin noch hier, dieselbe, etwas erleichtert zwar, dass es so ist, doch
zur gleichen Zeit enttäuscht. So sag du mir doch, du Berg, der du
jetzt
S+M+D:
sicherlich
S:
weiser bist als alle Menschen zusammen, wie stell' ich es an,
so zu werden wie du?
Spr: Dann gibt es noch diese Ziffern in der Landschaft.
S+Spr: Das ist schon was. Das ist schon was.
S: Ich weiß, du antwortest nicht mehr mit Worten, sondern durchs
Rauschen der Blätter im Winde.
M+D: rascheln mit Nylonsäcken.
S: Ich weiß ja die Antwort:
Alle: Das Tun sein lassen, das Sein tun lassen.
Spr: In diesem Fall 12 Ziffern.
Alle: Was ist denn das? Was ist denn das?
Spr: Das ist höchstens die unsinnige Einteilung eines Wirrkopfs.
Sie sind ohnehin nicht zu erkennen, wenn man nicht ausdrücklich darauf
hingewiesen wird.
S: Die Antwort, die ich weiß, ist, zum Berg nicht zu werden, sondern
einfach Berg zu sein, und ich weiß, dass die Frage, die sich mir
immer und wieder stellt, nimmer gestellt werden kann, nämlich wie
das, was ich möchte, erreicht wird.
Spr: Ich bin nicht bewegungslos, denn ich falle.
Ich falle durch die Zeit."

I
S: Was fange ich jetzt an? Ganz allein in der Wildnis?
He, du! (geht zum 1. Geiger) Ja, du, mit der Geige! Was können wir
machen? Wie ihn zurückverwandeln, oder andererseits, wie uns selbst
verwandeln, um so zu werden wie er?
He, du! Ich rede mit dir! Schau mich an, hör auf mit diesem Gegeige,
hörst du?
S: Geiger an der Schulter rütteln, dann Noten wegnehmen.
Vl I: Sobald Sängerin Noten weggenommen, aufhören zu spielen,
Sängerin fragend anschauen.
S: Also? Was können wir machen?
Vl I: Weiß ich doch nicht.
S: Lass uns den Cellisten fragen.
Vl 1: Warum ausgerechnet den Cellisten?
S: Er hat das größte Instrument und weiß daher am ehesten
Bescheid.
Vl I: Du hast Recht. (Geht mit Sopran zu Cellisten, Geige in der Hand)
He, du mit dem Cello - wir haben eine wichtige Frage.
Vc (hört auf zu spielen, wendet sich ihnen zu): Ja?
S: Wie kann man den Berg hier zurückverwandeln?
Vc: Welchen Berg denn?
S: Ja, hast du denn gar nicht aufgepasst? Unser Sprecher hat sich in einen
Berg verwandelt.
Vc: Wo denn? (schaut zum Sprecher) Ja, tatsächlich, jetzt seh ich
es auch. Wie hat er das gemacht?
S: Er hat von der verwunschenen Quelle getrunken, hast du das nicht auch
gesehen?
Vc: Nein, ich hab in die Noten geschaut. Ist volle schwer zu spielen,
das Zeug
Vl I: Und man muss dauernd konzentriert mitzählen. Und komische Sache
machen, wie das (macht zu spielenden Vl II und Viola rhythmisch passend
col legno Stelle von vorher (2 Töne))
S: Ja, ja - aber wie verwandeln wir uns jetzt auch in einen Berg?
Vl I + Vc: Keine Ahnung.
S: Oder wie verwandeln wir den Berg in den Sprecher zurück?
Vl I: Vielleicht weiß es die Bratsche
Vc: Vielleicht weiß es die andere Geige
Vc (äußerst übertrieben): Meine sehr verehrten Damen und
Herren (je nachdem, welche Geschlechter), ich bitte höflichst um
Verzeihung, wir hätten eine Frage bezüglich hier in Diskussion
stehender hochwohlgeborenen Bergwerdung.
nachdem Vl II + Vla keine Reaktion, diskutieren ALLE heftig brabbelnd
und wild diskutierend
M (fährt dazwischen): Aber Leute, das geht doch nicht - die Musik
ist ja noch nicht zu Ende. BITTE, bitte spielt weiter, sonst ist die Form
im Eimer!
Vl II: Hä? Welche Form?
M: Na die musikalische Form der Komposition
Vla: Steht in den Noten später, wie man den Berg zurückverwandelt?
Oder sich selbst in einen?
M: Nein, die Handlung geht anders weiter
Vla: Dann interessiert es mich nicht. ICH mach diesen Job hier nämlich
ORDENTLICH!
Vc: Sollen wir versuchen, auch von der Quelle zu trinken?
Vl I: Ich tu's sicher nicht! (setzt sich auf Platz)
Vl II: Ich auch nicht. Ich wurde zum Geigen engagiert, nicht als Versuchskaninchen.
Vla: Nie- Niemals.
Vc: Dieser Gruppenzwang! Ich trink' also auch nicht! (Setzt sich widerwillig
auf Platz)
D: Na dann lasst uns doch jemand aus dem Publikum nehmen, um die ist ja
nicht schade.
M: Stimmt! Gibt's Freiwillige?
Wenn nein:
M: Es MUSS aber jemanden geben, sonst ist die muuusikalische Form dieser
Komposition in äußerster
Gefahr!
D: Denken sie an Ihre Verantwortung: Sie können das Stück retten,
das gesamte! Mit so wenig Aufwand!
M: (übertrieben) Wenn jeder auf dieser Welt nur etwas Klitzekleines
für Neue Musik tun würde! Sie wären gerettet! All diese
süßen, neugeborenen, frischen Kompositionen müssten nicht
sterben!
D: Und wenn jeder von ihnen am Ende in seine klitzekleine Geldbörse
greift und uns etwas weniger Klitzekleines davon dalässt, haben sie
unsere Pasta asciutta gerettet!
M (hebt Arm zum Zeichen für Musiker): Ja genau!
Streicher bleiben auf Ton stehen und ALLE rufen im Chor skandierend: Pasta
asciutta! Pasta asciutta!
Streicher spielen auf Einsatz Vl I weiter, flüstern beim Spielen
aber ständig Pasta oder asciutta oder Pasta asciutta.
M: Aber einen Freiwilligen brauchen wir doch.
Wenn sich jetzt jemand meldet gut, ansonsten:
D: Wirklich keiner? Also wird wieder das Los entscheiden!
Lässt Sängerin aus Schokoladensackl ziehen.
M (liest Namen von jemandem vor, den wir gut kennen und von dem wir wissen:
der macht mit):
- rauskommen!
Kommt raus, Daniel gibt ihr/ihm zu trinken. Wenn ja:
D: Sie haben das Stück gerettet, das gesamte! Sie Mutige/r!
M (übertrieben): Wenn jeder auf dieser Welt nur so viel für
Neue Musik tun würde wie sie! All diese süßen, neugeborenen,
frischen Kompositionen müssten nicht so oft sterben!
D: Und wenn jeder von ihnen am Ende in seine klitzekleine Geldbörse
greift und uns etwas weniger Klitzekleines davon dalässt, haben sie
unsere Pasta asciutta gerettet!
M (hebt Arm zum Zeichen für Musiker): Ja genau!
Streicher bleiben auf Ton stehen und ALLE rufen im Chor, skandierend:
Pasta asciutta! Pasta asciutta!
Streicher spielen auf Einsatz Vl I weiter, flüstern beim Spielen
aber ständig Pasta oder asciutta oder Pasta asciutta
Freiwilliger kommt raus, Daniel gibt ihr/ihm zu trinken.

J
Je nach gezogener Schokolade gilt:
MARZIPAN:
Sprecher und Sopran sprechen beide, unisono, den Rhythmus.
Die Streicher spielen mit viel Vibrato und Pathos, viele Noten mit demselben
Bogenstrich, oft Noten schleifen, als handelte es sich um Zigeunermusik.
Choreographie:
Glatt und geölt, mitwippen, wie bei Fernsehshows, M + D umtanzen
den verehrten "Freiwilligen" mit schmiegsamen Bewegungen (D
schiebt dabei die ausgeschnittene Fernsehschönheit vor sich her).
Alle Aufführenden haben ein falsches Lächeln so konsequent wie
möglich aufrecht zu erhalten.
Vl1: Das gibt's doch nicht. Seht ihr das? Es hat gewirkt.
Vl2: Der (die) Freiwillige hat sich nun auch verwandelt.
Vla: In einen Berg, der bis über die Wolken reicht.
Vc: Mehr als ein Berg ist es eine Gottheit.
Manuela: Noch gewaltiger und unvorstellbarer für uns als die erste
Verwandlung.
Daniel: Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Vl1: Wir sind im Vergleich nicht einmal mehr Käfer.
Manuela: Höchstens noch Läuse.
Vl2: Fast hält man diese Pracht nicht aus.
Vc: Diese majestätische Haltung.
Vla (zum ausgewählten Freiwilligen): Meine Bewunderung für Sie
ist grenzenlos.
Daniel (zum ausgewählten Freiwilligen): Sie sind alles, ich bin nichts.
Vc (zum ausgewählten Freiwilligen):
nicht einmal ein verschwindend
kleines Epsilon, das gegen Null geht. Ich habe Mathematik studiert und
weiß, wovon ich rede.
Vl1 (zum ausgewählten Freiwilligen): Nie würde ich es wagen,
mich auch nur annähernd mit Ihnen zu vergleichen.
Vl2 (zum ausgewählten Freiwilligen): Wir sind es nicht wert, neben
Ihnen zu existieren.
Manuela: Wir sind nur nervöse Hysteriker
Vla:
im Vergleich zur ewigen Ruhe, die Sie verkörpern.
Vl2: Wir sind nur ahnungslose Idioten
Daniel:
im Vergleich zur Weisheit, die Sie verkörpern.
Vl1: Wir sind hässlich und schäbig
Vc:
im Vergleich zu Ihrer vollendeten Form und Schönheit.
Manuela: Wir sind vergänglich und schwach
Vl1:
im Vergleich zu Ihrer Stärke und Beständigkeit.
Vla: Unsere absolute Bedeutungslosigkeit in Ihrer Gegenwart erkennen zu
dürfen
Daniel:
ist für einen begrenzten Geist wie den unseren kaum
auszuhalten.
Vl2: Man gerät dabei geistig, seelisch und körperlich ins Strudeln...
Vc:
und verliert jegliche Kontrolle, hin und her gerissen
Daniel:
zwischen der abgrundtiefen Einsicht der eigenen Unzulänglichkeit
Manuela:
und dem jubelnden, ekstatischen Anblick von so vollkommener
Herrlichkeit.
Vla: Die Anwesenheit des vollkommensten aller Berge und Götter
Vl1:
ist zugleich unser höchstes Glück und unser vollständigstes
Verderben.
NUGAT:
Sprecher spricht einen anderen Rhythmus als Sopran. Techno- Raveparty-
Stimmung.
Die Streicher spielen ohne Vibrato, immer sul pont., alle Noten mit wechselndem
Bogenstrich, außer bei der "Andante"- Stelle.
Choreographie:
Eckig und robotermäßiger als bei "echten" Raveparties,
M + D tanzen jeder sehr introvertiert für sich, Rücken zum Publikum,
außer wenn sie Text haben
M mimt eventuell mit der ausgeschnittenen Fernsehschönheit eine Mischung
aus e-Gitarrenspiel und Keyboardgeklimper.
Alle Aufführenden bleiben todernst, weil sie ja soo cool sind.
Vl1: Das gibt's doch nicht. Seht ihr das? Es hat gewirkt.
Vl2: Der (die) Freiwillige hat sich nun auch verwandelt.
Vla: In einen Berg, oder so was Ähnliches.
Vc: Mehr als ein Berg ist es ein Hügel.
Manuela: Ja, die erste Verwandlung war eindrucksvoller.
Daniel: Vielleicht haben wir uns auch schon an so was gewöhnt.
Vl1: Wir sind schon etwas routiniert im Umgang mit solchen Dingen.
Manuela: Vielleicht hat er auch weniger vom Zaubertrank getrunken als
unser Sprecher.
Vl2: Immerhin- im Vergleich zu diesem sind wir schon eher größere
Käfer...
Vc: Mistkäfer, oder Hirschkäfer vielleicht.
Vla (zum ausgewählten Freiwilligen): Meine Bewunderung für Sie
ist dennoch beachtlich.
Daniel (zum ausgewählten Freiwilligen): Sie sind immer noch viel
mehr als ich
Vc (zum ausgewählten Freiwilligen):
denn ein Hügel ist
immerhin auch viel größer als ein Mensch, wenn auch nicht ganz
so groß wie ein richtiger Berg.
Vl1 (zum ausgewählten Freiwilligen): Nie würde ich es wagen,
mich direkt mit Ihnen zu vergleichen.
Vl2 (zum ausgewählten Freiwilligen): Aber wir existieren halt auch,
wie die Ameisen neben dem Elefanten.
Manuela: Die körperliche Größe ist ja auch nicht alles
Vla:
im Vergleich zu Ihnen sind wir alle schlank und wendig.
Vl2: Wir kommen vielleicht an Ihre Weisheit nicht heran
Daniel:
doch für uns selbst wissen wir gerade genug.
Vl1: Wir möchten jetzt Ihre Verwandlung auch keinesfalls herunterspielen.
Vc: Im Vergleich zur ganzen Vegetation, die auf Ihnen wächst
Manuela:
sind unsere Kleider eher schlicht.
Vl1: Wir werden auch nicht so lange existieren, wie Sie - beiweiten nicht
Vla:
aber im Leben zählt nicht bloß, wie lange man lebt,
sondern was man während des Lebens tut.
Daniel: Natürlich ist einfach da zu sein, wenn man ein Berg ist,
völlig ausreichend.
Vl2: Wir aber sind keine Berge
Vc:
sondern Mist- und Hirschkäfer
Daniel:
und unsere Aufgabe besteht darin, umherzukrabbeln
Manuela:
und den Mist von hier nach dort zu karren
Vla:
und dann wieder von dort nach hier zurück.
Vl1: So sind wir eben: der Mist ist zugleich unser höchstes Glück
und unser vollständigstes Verderben.
HASELNUSS:
Sprecher und Sopran sprechen beide, unisono, den 2. Rhythmus, besonders
leise, wie man Schlagwerk oft aus Kopfhörern von fremden Leuten hört.
Die Streicher spielen immer pizzicato, außer bei der "Andante"-
Stelle.
Choreographie:
Keine. Die Reglosigkeit der Aufführenden steht im Gegensatz zu den
gespielten Rhythmen, sie sind wie eingefroren.
Wenn sie sich an den "Freiwilligen" wenden, deuten sie mit dem
Finger auf ihn, mit langsamen, gleichmäßigen Bewegungen.
Vl1: Das gibt's doch nicht. Seht ihr das? Es hat gewirkt.
Vl2: Der (die) Freiwillige hat sich nun auch verwandelt.
Vla: In einen Berg, oder in einen Gott?
Vc: Wir können das sowieso nicht beurteilen
Manuela:
denn im Vergleich zu ihm (ihr) sind wir bloß Käfer.
Daniel: Trotzdem kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Vl1: Heutzutage kann man immer nur staunen, wenn man in die Welt hinausschaut.
Manuela: Sollen wir nun auch vom Zaubertrank kosten?
Vl2: Ich will nicht. Ein Berg kann nicht Geige spielen.
Vc: Dann wären die 10 Jahre Konservatorium ganz umsonst gewesen.
Vla (zum ausgewählten Freiwilligen): Jetzt, wo Sie ein Berg sind,
könnten Sie uns aber weiterhelfen.
Daniel (zum ausgewählten Freiwilligen): Sie könnten uns zum
Beispiel sagen, was der Sinn unsres Dasein ist.
Vc (zum ausgewählten Freiwilligen):
oder wissen Sie vielleicht
den Beweis, dass alle geraden Zahlen als Summe zweier Primzahlen dargestellt
werden können? Ich habe Mathematik studiert und solch ein Beweis
steht noch aus.
Vl1 (zum ausgewählten Freiwilligen): Sie schweigen, weil Sie ein
Berg sind
Vl2 (zum ausgewählten Freiwilligen):
aber könnten Sie
nicht eine kleine Ausnahme für uns machen?
Manuela: Wir können mit einem Berg wenig anfangen.
Vla: Sei nicht unfair. Ein Berg kann mit Käfern auch wenig anfangen.
Vl2: Wir sind nicht kompatibel
Daniel:
aber befinden uns in derselben Welt.
Vl1: Wir sind sogar im gleichen Zimmer.
Vc: Trotzdem ist die Kommunikation schwierig.
Manuela: Wir brauchen uns nicht mehr aufzuregen
Vl1:
wenn sich die Weltmächte nicht zusammenraufen können.
Vla: Sie sind hilflos wie wir.
Daniel: Jeder kommt schon mit sich selbst schwer zurecht
Vl2:
geschweige denn mit einem Fremden
Vc:
und nichts ist uns im Moment fremder als ein Berg.
Daniel: Diese Fremdheit bewirkt nur die abgrundtiefe Einsicht der eigenen
Unzulänglichkeit
Manuela: Mit dem jubelnden, ekstatischen Anblick von so einem Berg
Vla:
können wir leider nichts anfangen.
Vl1: Das ist zugleich unser höchstes Glück und unser vollständigstes
Verderben.
Einer nach dem anderen packt seine Sachen (Instrument, Notenständer
usw.) und geht ins nächste Zimmer, während die anderen noch
weiterspielen.

K
M (in hoffentlich allgemeinen Tumult, mit Hammer): Ruhe im Saal, sonst
lass ich den Gerichtssaal räumen!
D: Nächste Verhandlung! Aktennummer (skandiert!) 242312245276,
M: Rechtsstreit: Staat gegen Unbekannt wegen
D: ...unbefugter Bergwerdung gemäß Artikel 24 comma 2, codice
penale scarafaggi, Käferstrafgesetzbuch;
M: Überschreitung des normalen Platzanspruches, Artikel 3.157, comma
1, codice penale scarafaggi, Käferstrafgesetzbuch;
S: Disputatio!
Alle: Ist es ein Berg? Ist er famos? Ziemlich gewaltig, extrem ZU GROSS!
D: Zu den ersten beiden Tatbeständen: Sie (zu Berg) sind groß!
M: Il modello codicistico scarafaggi è basato sul concetto di uomo
medio ossia di normale. Per cui è in colpa chi, nel caso specifico,
è difforme dal normale!
D: Sie sind difform! Sie sind zu groß, nicht normal! Culpa lata
est nimia negligentia, id est non intellegere quod omnes intelegunt.
M: Will heißen: Grobe Schuld ist grobe Nachlässigkeit, d.h.,
nicht zu verstehen, was ALLE verstehen. Sie sind folglich schuld! (hakt
auf Zettel ab), Beweis erbracht. Zum nächsten Tatbestand.
D: Das geschlossene Höfegesetz, die Bauleitpläne!
M: Ganz einfach: Sie haben ihren Hof nicht geschlossen (zeigt auf offenes
Hosentürl). Culpa in eligendo! Schlecht gewählte Hose! Sie sind
schuld. (hakt ab, drängt) weiter, WEITER!
D (verteidigend): Aber die Mühlen der Justiz mahlen laaangsam! Artikel
1, Verfassung suprema Scarafaggi! Also gut: weiter. Beweisaufnahme letzter
Tatbestand: Eine juristische Person ist ein Rechtssubjekt, das aufgrund
gesetzlicher Anerkennung rechtsfähig ist, d.h. selbst Träger
von Rechten und Pflichten sein kann, dabei aber KEINE natürliche
Person ist.
M: Sind Sie KEINE natürliche PERSON???
D+M fühlen Puls, Stirn
M: Nix. Kein Puls- keine Person.
D: Nix. Keine Temperatur, keine Person.
Alle: Ist es ein Berg? Ist er famos? Ziemlich gewaltig, extrem ZU GROSS!
D+M (schauen sich an, sagen GEMEINSAM): Verstand?
M: Das QUANTUM!
D: Das QUANTUM der CULPA MONTANARIS und des VERSTANDES überhaupt
muss festgestellt werden!
M+D: Nehmen Meterband, messen UMSTÄNDLICHST Abstand von Boden bis
zum Knie, extrem übertrieben, bücken, nieder liegen, sich winden,
um Ergebnis zu erhalten
M (schnaufend, vom Boden): überschreitet
D (schnaufend, vom Boden):
jeden
M:
messbaren
D:
Bereich!
M: SIE wollen also juristisch sein???
D begutachtet
M: Juristisch
Na, hm, haben Sie Jura studiert? Nein. Sind sie Jurist?
D: Nein, also ist er auch nicht juristisch. Fazit: Zwar nicht juristisch,
aber nicht keine juristische Person.
M+D: Aiaiai!
M: Es ist eine nicht-juristische-nicht-keine-Person! (kleinlaut) Letzter
Tatbestand nicht gegeben???
D (genervt): Eine Strafe muss JEDENFALLS her!
M (pathetisch): Per legge di stato scarafaggensis!
M+D blättern in Tausenden codici
D+M (schockiert): Todesstrafe!
D: Tod durch Erschießung!
M: Durch unmittelbar auf sämtliche Körpersäfte einwirkenden
BOGENSCHUSS!
D: Aber WER bitteschön ist jetzt also der Schuldige, wer wird erschossen?
M: Eine Strafe gibt es- also MUSS es einen Schuldigen geben! LEX SUPERIOR
VERSTANDIS!
D: Der Berg kann es aber nicht sein. Er ist die victima substantialis!
Das Opfer!
M (verzweifelt): Außerdem können wir einen BERG nicht erschießen!
Cello (steht abrupt auf, spricht mit erhobenem Zeigefinger): Der, welcher
diesen sine sensus, UNSINN, meint: Blödsinn erfunden hat, ist lege
logicae schuld!
M+D (wie aus Pistole geschossen): Genau!
S+Spr (holen inzwischen Schilder vom Anfang, wühlen etwas darin und
lesen schließlich laut vor): "Oper von Daniel und Manuela"
D+M ziemlich verdattert
D: Schuld sind also Daniel und Manuela?
M (wie aus Pistole, in sozusagen Todesangst): Costituzione italiana, italienische
Verfassung Art. 33, erstes comma "Die Kunst und die Wissenschaft
sind frei, und frei ist ihre Lehre".
D (gerufen): Künstlerische Freiheit!
M (wie vorher): Art. 10, erster Absatz, Europäische Menschenrechtskonvention:
Jeder hat Anspruch auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht
schließt die Freiheit der Meinung und die Freiheit zum Empfang und
zur Mitteilung von Nachrichten oder Ideen ohne Eingriffe öffentlicher
Behörden und ohne Rücksicht auf Landesgrenzen ein.
D (wie vorher): Meinungsfreiheit!
Cello (sehr penibel und altklug): Hier gilt Käfergesetzgebung, legislatio
scarafaggensis. Nix italienische oder gar europäische Rechte. Die
Komponisten sind verantwortlich für DAS ALLES. Außerdem gab
es vorhin einen F-O-R-M- Formfehler. Ts ts ts
Das haben die Komponisten
selbst zugegeben!
S: Sie sind die Schuldigen Q! E! D! Quod erat demonstrandum.
S+Spr: reißen M+D die Richterroben vom Leib, ziehen sie selbst über
Spr: Das oberste, MONUMENTALE Gericht (zeigt auf alle außer auf
M+D) ist nach ausführlicher Beweisaufnahme und eingehender Beratung
zur Entscheidung gelangt. (steht dabei auf, weist an, auch mit Gesten)
Erheben sie sich!
(zu Publikum) Setzen sie sich.
Erheben sie sich.
Drehen sie sich (lässt Leute einmal um eigene Achse drehen)
Setzen sie sich.
Erheben sie sich.
S (immer im Singel-Sangel Ton): Also ergeht im Namen des Käfervolkes
folgendes Urteil (rollt Pergament auf und liest): nel caso 242312245276
gli imputati Manuela e Daniel sono dichiarati COLPEVOLI di tutti i reati
loro ascritti, concessa NESSUNA possibile attenuante.
Spr: Manuela und Daniel werden für sämtliche ihnen zugeschriebenen
Delikte für SCHULDIG erklärt, und zwar in jedem Sinne: biographisch,
librettistisch, musikalisch, international, operistisch, käferig
S (bricht Spr genervt ab): Denk an die Effizienz der Justizzzzzz! Es ergeht
wie festgelegt die Todesstrafe durch unmittelbar auf sämtliche Körpersäfte
einwirkende BOGENSCHÜSSE! (Eilig): Wir kommen SOFORT zur Vollstreckung!
S+Spr stellen M+D zurecht, die stehen Habacht, Augenbinden
Vl II und Vla stehen auf, "wärmen" sich auf, nehmen Instrumente
und vorbereiteten Kartonstreichbogen in Manier eines Schießbogens,
zielen theatralisch- und Schuss!
M+D halten sich vorbereiteten Kartonstreichbogen (2 Teile) an die Schläfen
und sterben theatralisch, mit sämtlichen dazugehörigen Geräuschen,
EXTREM, aber nicht zu lang. Legen sich tot und parallel neben vorbereitete
Leintücher auf Boden.

L
Begräbnismusik
Szene L dauert ca. 9 Minuten. Davon ist die erste Hälfte ausschließlich
der Begräbnismusik gewidmet, die zweite Hälfte dem eigentlichen
Begräbnisritual. Während der Begräbnismusik steht der Sprecher
als Berg so majestätisch, unerschütterlich und reglos als möglich
da, Daniel und Manuela sind tot, die Sängerin singt mit neutralem,
ernsten Ausdruck, wie bei einem Oratorium.
S: Ah e o Oh Ah Ah
Begräbnisritual
Während die Streicher im Hintergrund autonom ihr Trauerspiel absolvieren,
spielt sich im Vordergrund folgende Szene ab:
Der Sprecher: Deckt Daniel mit dem Leintuch zu, extrem langsam, von den
Füßen aufwärts zu, stellt sich dabei über den Körper,
ein Fuß links, einer rechts, und vergleicht immer wieder seine mit
den Bewegungen der Sängerin, damit der Vorgang so synchron als möglich
abläuft.
Die Sängerin: Deckt Manuela mit dem Leintuch zu, extrem langsam,
von den Füßen aufwärts zu, stellt sich dabei über
den Körper, ein Fuß links, einer rechts, und vergleicht immer
wieder ihre mit den Bewegungen des Sprechers, damit der Vorgang so synchron
als möglich abläuft.
Sobald die beiden Körper vollständig zugedeckt sind, fallen
Sprecher und Sopran gleichzeitig neben den beiden Leichen auf die Knie
und werfen sich laut schluchzend darauf - dies in normaler Geschwindigkeit.
Dann stellen sich Sprecher und Sängerin, gegenseitig zugewandt und
wieder in Zeitlupe, an den Seiten von D+M auf und starren sich 10 Sekunden
reglos an, bevor sie mit ausladender Geste, immer synchron, aus dem Blumenkörbchen
Trockenblumen über die Leintücher streuen.
Wieder mit normaler Geschwindigkeit teilen Sprecher und Sängerin
allen im Publikum Fühler aus, den ersten werden diese gleich aufgesetzt,
der Rest ausgeteilt. Ohne zu sprechen geben Sängerin und Sprecher
zu verstehen, dass alle ihre Fühler aufsetzen sollen, und leiten
dann die "Prozession der Käfer":
Der Sprecher geht vor, hält dabei das Schild mit dem Titel "Die
Prozession der Käfer" hoch. Die Sängerin geht hinterher
und schaut, dass sich keiner verirrt.
Während die Streicher immer noch unabhängig ihr Trauerspiel
absolvieren, dreht die Prozession eine Runde um die beiden Leichen, wobei
leise, aber rhythmisch geschluchzt wird, begleitet von Körperbewegungen
wie beim Regentanz der Indianer. (Versuchen, auch das Publikum dazu zu
animieren!)
Die Prozession ist zu Ende, wenn Daniel und Manuela plötzlich laut
klatschen, "Bravo!" und "Zugabe!" rufen.
Trauerspiel der Streicher:
Larghissimo, sehr langsam - auch die Aktionen alle wie in Zeitlupe, kein
fixes Zeitmaß
Die Streicher spielen einige Töne, schwingen das Instrument ähnlich
wie ein Weihrauchfass und befolgen immer wieder, jeder für sich,
folgende Anweisungen:
1) Nimmt ein Papiertaschentuch aus der Tempopackung (dabei absichtlich
rascheln).
2) Schwenkt Taschentuch mit ausholender Bewegung.
3) Schnäuzt sich geräuschvoll und schluchzend.
4) Wischt sich eine Träne links, eine rechts ab.
5) Schlägt Hände mit Instrument in der Hand überm Kopf
zusammen.
6) Berührt heulend das Knie mit dem Kopf: "BUHU!"
7) Wirft das Taschentuch Richtung Publikum.
Dies alles ad lib. wiederholen bis D+M "Bravo!" rufen.
Die Streicher legen die Instrumente weg.
Vl I, Vl II + Vla klatschen auch, rufen "Bravo" und "Zugabe"
und "Suuuper" usw.
Vc hält zugleich Schild mit "ENDE" in die Höhe.
Ende der Oper.
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