Die trikordale Musik
 

ARCA MUSICA

Francesco
Valdambrini

Daniel
Oberegger

Pagina in italiano

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ARCA MUSICA

Francesco
Valdambrini

Daniel
Oberegger

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Aktualisiert am 13. 8. 2006

Was ist trikordale Musik?

Die trikordale Musik verwendet die "trikordale Kompositionstechnik", die von M.° Francesco Valdambrini erfunden wurde.
Es handelt sich um eine neue Organisation der Noten für die Musikkomposition, welche auf dem "Tricordo Bìtono" beruht: drei Noten, die jeweils um einen Ganzton voneinander entfernt sind, z.B. A G F.
Diese kleine Einheit von drei Noten erinnert absichtlich und geschichtlich an den "Tetrachord" des antiken Griechenlands, wo die Grundeinheit der Tonhöhenorganisation aus vier (anstatt wie bei der trikordalen Kompositionstechnik aus drei Noten) bestand.

In der 12-Ton-Musik stehen alle 12 Töne ("die 12 pantonalen Töne" würde man mit Schönberg sagen) mit absoluter Gleichwertigkeit nebeneinander und überlagern sich, so die "atonale, zwölftönige, strukturalsitische usw. Musik" schaffend, welche dem Ohr den Klang von der fast immerwährenden Anwesenheit aller 12 Töne anbietet.
Das "trikordale" Systems will auf dieses "totalchromatische" Hören reagieren. Im Trikord H A G wird das G beispielweise anders klingen, als im Trikord Es F G und wieder anders als in A G F - unabhängig davon, wie der Trikord selbst gestellt ist.

In der ersten breit angelegten Komposition, bei welcher die trikordale Technik angewandt wurde, der "Sonanza Infinita, Ritrovato tricordale für Klavier in einem einzigen Erklingen von zirka 50 Minuten" aus dem Jahre 1990 Hörbeispiel (mp3, 947k) geht Valdambrini können die Trikorde ohne irgendein Oktavierungsverbot verwendet werden. Alle möglichen Freiheiten, die Noten zu wiederholen, zu überlagern usw. sind erlaubt.

Da der Trikord selbst keinen Halbtonschritt beinhaltet liegt es nahe, die Trikorde im Halbtonabstand einander folgen zu lassen. Läßt man die Trikorde zum Beispiel immer in der gleichen theoretischen Richtung (alle nach oben oder alle nach unten) und immer nur in Halbtonschritten aufeinander folgen (der Halbtonschritt fehlt im Trikord selbst), erhält man eine Notenkette aus 12 Trikorden, was 36 Noten entspricht, und wo der Oktavraum keine determinierende Funktion mehr hat. Zum Beispiel: A G F, E D C, H A G, Fis E D, Cis H A, Gis Fis E, Dis Cis H, B As Ges, F Es Des, C B As, G F Es, D C B, 36 Noten, und dann beginnt es wieder von vorn: A G F usw. (Diese Ankettung ist im soeben angeführten Hörbeispiel der Fall). Natürlich ist es genauso möglich, eine aufsteigende Ankettung zu machen: D E Fis, G A H, C D E, F G A usw.
Hier ist noch interessant, anzumerken, dass schon beim 3. Trikord der Oktavraum überschritten wird, da das A oder G im 3. Trikord andere Qualität haben als das A oder G im ersten Trikord. Hingegen müssen 8 Trikorde hier aufeinander folgen, bevor alle 12 chromatishen Töne erklungen sind.

Eine andere Möglichkeit der Aneinanderkettung der Trikorde zu einer Kette von 72 Tönen ergibt sich, indem die Trikorde, immer in dieselbe Richtung, abwechselnd einmal in einem Halbtonschritt, dann in einem Ganztonschritt aufeinander folgen. Zum Beispiel: A G F, E D C, B As Ges, F Es Des, H A G, Fis E D, C B As usw., insgesamt 24 Trikorde, das sind 72 Noten.

Oder man kann 4 Trikorde nehmen, welche durch das Zurücktreten um einen Halbtonschritt einander folgen - oder besser gesagt angehängt sind. Beispiel: C B As, A G F, Fis E D, Dis Cis H - eine Ankettung von 12 Noten, die alle 12 chromatischen Noten verwendet, also eine "trikordale Zwölftonreihe".
Die praktische Anwendung der Noten dieser Ankettungen für kompositorische Zwecke sieht keine Pflicht vor, wie zum Beispiel in der Dodekafonie, die Reihenfolge der Noten beizubehalten. Ebenso kann jede Wiederholung der Noten, auch in verschiedenen Oktavlagen, durchgeführt werden.


Im "Ludus Andreae" (Hörbeispiel zu den Noten, 373k) aus der "Sonmanza Infinita" von Francesco Valdambrini, Takt 565 mit Auftakt + Takt 566, werden die beiden Trikorde H A G und Fis E D verwendet. die linke Hand spielt in Takt 565 dierse 6 Töne in der Folge A-Fis-H-E-D-G, und dann wieder rückwärts D-E-H-Fis-A. Dabei wird die Melodie begleitet, die ebenfalls diese Tonfolge, A-Fis-H-E-D-G verwendet, danach folgt statt D-E-F-Fis... D-E-H-Fis, eine Permutation, die auch später in der Melodie immer beibehalten wird. in Takt 567 kommen die nächsten beiden Trikorde, Cis H A und Gis Fis E an die Reihe, in einer anderen Permutation, doch mit demselben System.

Durch die in der "Sonanza Infinita" bevorzugte Ankettung von 36 Noten entsteht als akustisches Resultat ein starkes Gefühl des Rotierens der Klänge im Raum, welche sich stets beim Auftauchen der nächsten sechs Noten der trikordalen Hexakorde frisch erneuern. Das Gefühl eines immerwährenden und unendlichen Kreisens der melodischen und harmonischen Geschehen, welche durch die für die Folge aller 36 Noten nötige breite Zeitspanne entsteht, bevor sich dieselbe trikordale Situation wiederholt, legt fast instinktiv den Gebrauch (oder das Erfinden) von ebenfalls ungewöhnlich breit angelegten phraseologischen Situationen nahe, welche sich besser dazu eignen, sozusagen in die Umlaufbahn geschickt zu werden.

Ein typisches Beispiel hierzu ist das Tempo in 27/8.Wie die Nummer Drei die Basis des trikordalen Systems ist, so ist wiederum die Nummer Drei die Basis der 27/8 dieses Rhythmus, nämlich 9 Gruppen von 3 Achteln, die weiter in 3 Gruppen von 9 Achtel organisiert sind, wobei jede dieser Gruppen 3 mal 3 Achtel enthält. Dadurch entsteht eine große Satzbewegung eines "Tempo in drei", das in drei und noch einmal in drei unterteilt wird, was, wenn man will, von einem "Tempo Perfetto" mit "Prolatio Perfetta" und "Subprolatio Perfetta" zu sprechen erlaubt.
Das Zusammenwirken eines sehr breiten Phrasierens, wie beim 27/8- Takt mit der klingenden und wieder klingenden, häufig sich drehenden Harmonie und Melodie des Trikordalen läßt rituelle Empfindungen entstehen, die Aufführende und Zuhörer in eine Art Zelebrieren des Geheimnisses vom Unendlichen im endlosen Klang mit hineinzieht.
Hörausschnitt im 27/8- Takt (mp3, 879k) (Concertato Tricordale für Orchester)
Hörausschnitt im 27/8- Takt (mp3, 875k) ("Gesang" aus Sonanza Infinita für Klavier)

Die Komponisten von trikordaler Musik, nunmehr eine gewisse Anzahl, bilden zusammen mit ihrem Lehrer die neue "Trikordale Schule", in der sich jeder in der kreativen Erforschung immer neuer harmonischer und melodischer Dichten und Entspannungen versucht, vom "trikordalen Cluster" bis zur Reinheit des einzelnen Trikords, mit sehr verschiedenen Schichten, Gradierungen und Konstruktionen, je nach der poetischen Ausdrucksnotwendigkeit des einzelnen Autors.

Alle Hörbeispiele von Francesco Valdambrini

Alle bei edizioni ARCA MUSICA edition verlegten
Kompositionen von allen trikordalen Komponisten

Alle Hörbeipiele von Daniel Oberegger