Aktualisiert am 13. 8. 2006
Was ist trikordale Musik?
Die trikordale Musik verwendet die "trikordale Kompositionstechnik",
die von M.° Francesco Valdambrini
erfunden wurde.
Es handelt sich um eine neue Organisation der Noten für die Musikkomposition,
welche auf dem "Tricordo Bìtono" beruht: drei Noten,
die jeweils um einen Ganzton voneinander entfernt sind, z.B. A G F.
Diese kleine Einheit von drei Noten erinnert absichtlich und geschichtlich
an den "Tetrachord" des antiken Griechenlands, wo die Grundeinheit
der Tonhöhenorganisation aus vier (anstatt wie bei der trikordalen
Kompositionstechnik aus drei Noten) bestand.
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In der 12-Ton-Musik stehen alle 12 Töne ("die
12 pantonalen Töne" würde man mit Schönberg
sagen) mit absoluter Gleichwertigkeit nebeneinander und überlagern
sich, so die "atonale, zwölftönige, strukturalsitische
usw. Musik" schaffend, welche dem Ohr den Klang von der fast
immerwährenden Anwesenheit aller 12 Töne anbietet.
Das "trikordale" Systems will auf dieses "totalchromatische"
Hören reagieren. Im Trikord H A G wird das G beispielweise
anders klingen, als im Trikord Es F G und wieder anders als in
A G F - unabhängig davon, wie der Trikord selbst gestellt
ist.
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In der ersten breit angelegten Komposition, bei welcher
die trikordale Technik angewandt wurde, der "Sonanza Infinita,
Ritrovato tricordale für Klavier in einem einzigen Erklingen von
zirka 50 Minuten" aus dem Jahre 1990 Hörbeispiel
(mp3, 947k) geht Valdambrini können die Trikorde ohne irgendein
Oktavierungsverbot verwendet werden. Alle möglichen Freiheiten,
die Noten zu wiederholen, zu überlagern usw. sind erlaubt.
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Da der Trikord selbst keinen Halbtonschritt beinhaltet
liegt es nahe, die Trikorde im Halbtonabstand einander folgen
zu lassen. Läßt man die Trikorde zum Beispiel immer
in der gleichen theoretischen Richtung (alle nach oben oder alle
nach unten) und immer nur in Halbtonschritten aufeinander folgen
(der Halbtonschritt fehlt im Trikord selbst), erhält man
eine Notenkette aus 12 Trikorden, was 36 Noten entspricht, und
wo der Oktavraum keine determinierende Funktion mehr hat. Zum
Beispiel: A G F, E D C, H A G, Fis E D, Cis H A, Gis Fis E, Dis
Cis H, B As Ges, F Es Des, C B As, G F Es, D C B, 36 Noten, und
dann beginnt es wieder von vorn: A G F usw. (Diese Ankettung ist
im soeben angeführten Hörbeispiel der Fall). Natürlich
ist es genauso möglich, eine aufsteigende Ankettung zu machen:
D E Fis, G A H, C D E, F G A usw.
Hier ist noch interessant, anzumerken, dass schon beim 3. Trikord
der Oktavraum überschritten wird, da das A oder G im 3. Trikord
andere Qualität haben als das A oder G im ersten Trikord.
Hingegen müssen 8 Trikorde hier aufeinander folgen, bevor
alle 12 chromatishen Töne erklungen sind.
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Eine andere Möglichkeit der Aneinanderkettung der
Trikorde zu einer Kette von 72 Tönen ergibt sich, indem die Trikorde,
immer in dieselbe Richtung, abwechselnd einmal in einem Halbtonschritt,
dann in einem Ganztonschritt aufeinander folgen. Zum Beispiel: A G F,
E D C, B As Ges, F Es Des, H A G, Fis E D, C B As usw., insgesamt 24
Trikorde, das sind 72 Noten.
Oder man kann 4 Trikorde nehmen, welche durch das Zurücktreten
um einen Halbtonschritt einander folgen - oder besser gesagt angehängt
sind. Beispiel: C B As, A G F, Fis E D, Dis Cis H - eine Ankettung von
12 Noten, die alle 12 chromatischen Noten verwendet, also eine "trikordale
Zwölftonreihe".
Die praktische Anwendung der Noten dieser Ankettungen für kompositorische
Zwecke sieht keine Pflicht vor, wie zum Beispiel in der Dodekafonie,
die Reihenfolge der Noten beizubehalten. Ebenso kann jede Wiederholung
der Noten, auch in verschiedenen Oktavlagen, durchgeführt werden.

Im "Ludus Andreae" (Hörbeispiel
zu den Noten, 373k) aus der "Sonmanza Infinita" von Francesco
Valdambrini, Takt 565 mit Auftakt + Takt 566, werden die beiden Trikorde
H A G und Fis E D verwendet. die linke Hand spielt in Takt 565 dierse
6 Töne in der Folge A-Fis-H-E-D-G, und dann wieder rückwärts
D-E-H-Fis-A. Dabei wird die Melodie begleitet, die ebenfalls diese Tonfolge,
A-Fis-H-E-D-G verwendet, danach folgt statt D-E-F-Fis... D-E-H-Fis,
eine Permutation, die auch später in der Melodie immer beibehalten
wird. in Takt 567 kommen die nächsten beiden Trikorde, Cis H A
und Gis Fis E an die Reihe, in einer anderen Permutation, doch mit demselben
System.
Durch die in der "Sonanza Infinita" bevorzugte
Ankettung von 36 Noten entsteht als akustisches Resultat ein starkes
Gefühl des Rotierens der Klänge im Raum, welche sich stets
beim Auftauchen der nächsten sechs Noten der trikordalen Hexakorde
frisch erneuern. Das Gefühl eines immerwährenden und unendlichen
Kreisens der melodischen und harmonischen Geschehen, welche durch die
für die Folge aller 36 Noten nötige breite Zeitspanne entsteht,
bevor sich dieselbe trikordale Situation wiederholt, legt fast instinktiv
den Gebrauch (oder das Erfinden) von ebenfalls ungewöhnlich breit
angelegten phraseologischen Situationen nahe, welche sich besser dazu
eignen, sozusagen in die Umlaufbahn geschickt zu werden.

Ein typisches Beispiel hierzu ist das Tempo in 27/8.Wie
die Nummer Drei die Basis des trikordalen Systems ist, so ist wiederum
die Nummer Drei die Basis der 27/8 dieses Rhythmus, nämlich 9 Gruppen
von 3 Achteln, die weiter in 3 Gruppen von 9 Achtel organisiert sind,
wobei jede dieser Gruppen 3 mal 3 Achtel enthält. Dadurch entsteht
eine große Satzbewegung eines "Tempo in drei", das in
drei und noch einmal in drei unterteilt wird, was, wenn man will, von
einem "Tempo Perfetto" mit "Prolatio Perfetta" und
"Subprolatio Perfetta" zu sprechen erlaubt.
Das Zusammenwirken eines sehr breiten Phrasierens, wie beim 27/8- Takt
mit der klingenden und wieder klingenden, häufig sich drehenden
Harmonie und Melodie des Trikordalen läßt rituelle Empfindungen
entstehen, die Aufführende und Zuhörer in eine Art Zelebrieren
des Geheimnisses vom Unendlichen im endlosen Klang mit hineinzieht.
Hörausschnitt im 27/8- Takt (mp3,
879k) (Concertato Tricordale für Orchester)
Hörausschnitt im 27/8- Takt (mp3, 875k)
("Gesang" aus Sonanza Infinita für Klavier)
Die Komponisten von trikordaler Musik, nunmehr eine gewisse
Anzahl, bilden zusammen mit ihrem Lehrer die neue "Trikordale Schule",
in der sich jeder in der kreativen Erforschung immer neuer harmonischer
und melodischer Dichten und Entspannungen versucht, vom "trikordalen
Cluster" bis zur Reinheit des einzelnen Trikords, mit sehr verschiedenen
Schichten, Gradierungen und Konstruktionen, je nach der poetischen Ausdrucksnotwendigkeit
des einzelnen Autors.
Alle Hörbeispiele von
Francesco Valdambrini
Alle bei edizioni ARCA MUSICA
edition verlegten
Kompositionen von allen trikordalen Komponisten
Alle Hörbeipiele von
Daniel Oberegger