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Hauskino Das Hauskino löst den Konflikt zwischen konventionellem
Kino und Mohnstrudel
Hauskino Das Hauskino löst den Konflikt zwischen konventionellem
Kino und Mohnstrudel |
Kino und Strudel Was ist am Kino so lästig? Mohnstrudel und Kino sind verschiedene Dinge. Sie sind so verschieden, daß es nicht so einfach ist, die guten Eigenschaften des Mohnstrudels aufs Kino zu übertragen, ohne das Kino zu verfremden, daß man es nicht mehr als Kino erkennt. Kino sollte Kino bleiben, nur sollte es die guten Eigenschaften des Mohnstrudels dazubekommen. Also, noch einmal: Im Kino sieht man
bewegte Bilder, die schnell wechseln. Sobald man sie betrachten will,
sind die Bilder schon wieder gewechselt worden, man beruhigt sich schwer.
Das Kino selbst bewegt sich ja nicht, aber es ist dunkel, und so kann
man die beruhigende Bewegungslosigkeit des Kinos selbst nicht sehen. Nimmt man beim Mohnstrudel ganz viel
Mohn, und läßt den Teig ganz dünn, so sieht man, wenn
man ihn aufschneidet, innen eine dünne, helle Teigspirale, die durch
den schwarzen Mohnkosmos verläuft und metaphysisch auf die spiralig-zyklische
Struktur des Universums hinweist. Der goldige Schimmer des knusprig gebackenen
Strudels außen verweist auf Transzendentales, und so wird ganz sinnfällig
gezeigt, wie natürlich das Physikalisch-kosmische im Transzendental-ewigen
eingebettet ist. Aber der Mohnstrudel erzählt
uns nichts Neues. Er schmeckt gut, aber wir müssen uns, wennschon,
selbst was erzählen, wenn wir ihn essen. Ein guter Mohnstrudel ist
bald aufgegessen. Es bleibt nur die Erinnerung, aber der Strudel selbst
ist natürlich viel intensiver als jede Erinnerung.
Das Kino und der Mohnstrudel ergeben kombiniert ungeahnte Möglichkeiten, die sich allerdings sonst auch ergeben würden: Lösung der Strudel- Kino- Frage: Das Hauskino Auf einer langen Papierrolle werden die Bilder eingeteilt, dann wird der Rand der Rolle bemalt: Schwarz mit regelmäßigen, weißen, quadratischen Löchern. Die Rolle sieht nachher aus wie ein überdimensionales Stück Film, damit jeder gleich sieht: Es ist jetzt keine Papierrolle mehr, sondern Kino. Mit bunten Farben werden die ersten Bilder gemalt, erst dann wird die Handlung ersonnen: Wie muss die Geschichte gehen, dass genau an dem Punkt genau dieses Bild notwendigerweise vorkommt? Wie muss sie ausgehen, damit alle vorgekommenen Details einen für den Schluß zwingenden Sinn ergeben? Wie geht die Geschichte aus? Oft wird der Text kunstvoll gereimt und zu passender Filmmusik auf Band gesprochen, oft zieht es der Filmvorführer vor, auch auf dieses technische Hilfsmittel zu verzichten und die Geschichte einfach zu erzählen, während er den Film zeigt. Für die gesamte Länge des
jeweiligen Textes mit der jeweiligen Handlung kann man ein Bild nach dem
anderen betrachten, und diese Betrachtung wird von keiner lästigen
Bewegung gestört. Im Raum muß es hell bleiben, sonst sieht
man den Film nicht mehr, also stört auch keine lästige Dunkelheit.
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