Hauskino
"Natalie im Land der Farne"

Das Hauskino löst den Konflikt zwischen konventionellem Kino und Mohnstrudel
(sehr theoretische Abhandlung zur Entstehungsberechtigung des Hauskinos als unabdingbare Notwendigkeit zur Versöhnung ontiologischer Ambivalenzen)

Zu Daniel Oberegger

Zurück zum Hauskino allgemein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hauskino
"Natalie im Land der Farne"

Das Hauskino löst den Konflikt zwischen konventionellem Kino und Mohnstrudel
(sehr theoretische Abhandlung zur Entstehungsberechtigung des Hauskinos als unabdingbare Notwendigkeit zur Versöhnung ontiologischer Ambivalenzen)

Zu Daniel Oberegger

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Kino und Strudel

Was ist am Kino so lästig?
Man sitzt im Dunkeln, sieht auf die Leinwand. Dort bewegt sich was. Bewegung ist lästig, Dunkelheit auch. Gerade das Kino zeigt, wie lästig es ist, im Dunkeln zu sitzen und dass sich etwas bewegt.
Wie viel besser ist ein Mohnstrudel! Er bewegt sich nicht. Um ihn zu essen, muß man nicht im Dunkeln sitzen.
Man müßte das Kino verwandeln, daß es die lästigen Eigenschaften verliert. Das Kino sollte sich den Mohnstrudel als Vorbild nehmen.

Mohnstrudel und Kino sind verschiedene Dinge. Sie sind so verschieden, daß es nicht so einfach ist, die guten Eigenschaften des Mohnstrudels aufs Kino zu übertragen, ohne das Kino zu verfremden, daß man es nicht mehr als Kino erkennt. Kino sollte Kino bleiben, nur sollte es die guten Eigenschaften des Mohnstrudels dazubekommen.

Also, noch einmal: Im Kino sieht man bewegte Bilder, die schnell wechseln. Sobald man sie betrachten will, sind die Bilder schon wieder gewechselt worden, man beruhigt sich schwer. Das Kino selbst bewegt sich ja nicht, aber es ist dunkel, und so kann man die beruhigende Bewegungslosigkeit des Kinos selbst nicht sehen.
An der Kassa vom Kino kann man zwar allerlei Süßigkeiten kaufen, aber die muß man dann im dunklen Kino essen, wo man sie schlecht sehen kann. Das, was an der Kasse fast immer fehlt, ist der Mohnstrudel.

Nimmt man beim Mohnstrudel ganz viel Mohn, und läßt den Teig ganz dünn, so sieht man, wenn man ihn aufschneidet, innen eine dünne, helle Teigspirale, die durch den schwarzen Mohnkosmos verläuft und metaphysisch auf die spiralig-zyklische Struktur des Universums hinweist. Der goldige Schimmer des knusprig gebackenen Strudels außen verweist auf Transzendentales, und so wird ganz sinnfällig gezeigt, wie natürlich das Physikalisch-kosmische im Transzendental-ewigen eingebettet ist.

Aber der Mohnstrudel erzählt uns nichts Neues. Er schmeckt gut, aber wir müssen uns, wennschon, selbst was erzählen, wenn wir ihn essen. Ein guter Mohnstrudel ist bald aufgegessen. Es bleibt nur die Erinnerung, aber der Strudel selbst ist natürlich viel intensiver als jede Erinnerung.

 

Das Kino und der Mohnstrudel ergeben kombiniert ungeahnte Möglichkeiten, die sich allerdings sonst auch ergeben würden:

Lösung der Strudel- Kino- Frage: Das Hauskino

Auf einer langen Papierrolle werden die Bilder eingeteilt, dann wird der Rand der Rolle bemalt: Schwarz mit regelmäßigen, weißen, quadratischen Löchern. Die Rolle sieht nachher aus wie ein überdimensionales Stück Film, damit jeder gleich sieht: Es ist jetzt keine Papierrolle mehr, sondern Kino. Mit bunten Farben werden die ersten Bilder gemalt, erst dann wird die Handlung ersonnen: Wie muss die Geschichte gehen, dass genau an dem Punkt genau dieses Bild notwendigerweise vorkommt? Wie muss sie ausgehen, damit alle vorgekommenen Details einen für den Schluß zwingenden Sinn ergeben? Wie geht die Geschichte aus?

Oft wird der Text kunstvoll gereimt und zu passender Filmmusik auf Band gesprochen, oft zieht es der Filmvorführer vor, auch auf dieses technische Hilfsmittel zu verzichten und die Geschichte einfach zu erzählen, während er den Film zeigt.

Für die gesamte Länge des jeweiligen Textes mit der jeweiligen Handlung kann man ein Bild nach dem anderen betrachten, und diese Betrachtung wird von keiner lästigen Bewegung gestört. Im Raum muß es hell bleiben, sonst sieht man den Film nicht mehr, also stört auch keine lästige Dunkelheit.
Durch diese Erfindung hat das Kino endlich die guten Eigenschaften des Mohnstrudels bekommen, ohne aufzuhören, ein Kino zu sein: Es ist handgemacht, bewegt sich nicht, ist nicht im Finstern.
Trotzdem geht es weiter, hat eine Handlung, zeigt etwas.